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Plastikflasche als Flugobjekt Osnabrücker Hauptschüler bauen technisches Können aus

23.07.2014, 18:38 Uhr

cby Osnabrück. „Die ist beim Schweißen entstanden.“ Alexej Cherevko hielt lächelnd eine grau glänzende Tierfigur aus dunklem Metall in der Hand. Der Siebtklässler von der Hauptschule Innenstadt strahlte mit seinen Arbeitshandschuhen und der langen Lederschürze eine beeindruckende Professionalität und Zufriedenheit aus.

Konzentriert gingen auch Denise Birkemeyer und Ugur Durmaz ihrer anspruchsvollen Arbeit nach, schweißten, feilten und bearbeiteten ihre Werkstücke eigenständig. Jeweils zwölf Schüler der siebten und achten Klasse nutzen seit Beginn des Schuljahres jeden Freitag für zwei Stunden die Labore und Werkstätten der Berufsbildenden Schulen an der Brinkstraße. Möglich macht das ein Kooperationsprojekt der Hauptschule mit der BBS und dem Schülerforschungszentrum (SFZ). Ziel des Projektes ist es, über einen Zeitraum von jeweils drei Schuljahren die technischen Fähigkeiten der Jugendlichen zu fördern und zugleich auch eine Vorbereitung für die spätere Berufspraxis zu leisten.

„Es hat sich schnell ein Vertrauensverhältnis zu den Schülern gebildet“, resümiert Hermann Denning, Fachpraxislehrer an der BBS, der die Schüler vor Ort unterrichtet. „Man sieht genau, welche Entwicklung die Schüler machen, und das ist schon toll. In den drei Schuljahren bis zur neunten Klasse können Sie hier eine Menge an Erfahrungen sammeln.“ Der frühe Beginn des Projektes ab der siebten Klasse ist niedersachsenweit eine Besonderheit.

Dass die Schüler bereits in einem Jahr viel gelernt haben, stellten nicht nur die geschweißten Tierfiguren unter Beweis. Die zwölf Siebtklässler präsentierten stolz zwei aufwendig gefertigte Holzkohlegrills, die nun die gesamte Klasse nutzen kann. „Den Grill haben die Schüler selbst entworfen und designt“, sagte Hauptschullehrer Albert Lutz, der mit seinem Kollegen Markus Hackstette die Schüler freitags zu den Berufsbildenden Schulen begleitet. In der nächsten Woche steht das Abschlussgrillen an, und die robusten Grills erleben ihren ersten praktischen Einsatz.

Noch etwas ungewöhnlicher kamen die Arbeitsergebnisse der Schülerinnen und Schüler der achten Klasse daher. Aus PET-Behältnissen fertigten sie in akribischer Arbeit flugfähige, durch den Druck einer Luftpumpe betriebene Flaschen-Raketen, garantiert recyclingfähig und vergleichsweise harmlos in der Verwendung.

„Bei dem Projekt erwerben die Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten, die sie im späteren Berufsleben anwenden können. Dadurch werden möglicherweise Berufsfelder entdeckt, die ihnen sonst nicht attraktiv erschienen wären“, merkt Michael Prior, Geschäftsführer der Friedel-und-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung, an. Die Stiftung fördert das Projekt schon im zweiten Jahr finanziell. Frank Baller, stellvertretender Schulleiter der BBS und Vorstandsmitglied im Schülerforschungszentrum (SFZ), ergänzt: „Unser Ziel ist es, derartige Kooperationen landkreisweit zu implementieren. Wir sind da auf einem guten Weg, zum Wohle der beteiligten Schülerinnen und Schüler.“