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Neue kulturelle Ideen Alter Steinbrecher am Piesberg: Buntes Leben in morbider Kulisse

Von Dietmar Kröger | 11.08.2019, 09:18 Uhr

Das kulturelle Leben am Piesberg entwickelt sich langsam aber stetig weiter. Nächste Station: Die unter Denkmalschutz stehende Steinbrecheranlage. Auch hier soll nun neues Leben einziehen.

Zurückhaltende Gitarren- und Percussionklänge schwingen durch die riesige Anlage des Steinbrechers auf dem Piesberg. Werkzeuge und Maschinen dominieren die Möblierung auf der dritten Ebene der großen Halle, die in den Berg gebaut ist. Sie gehören den Dampflokfreunden, die hier als Pächter der der Stadt gehörenden Anlage eine Heimat vor allem für die Restauration der alten Schinkellok gefunden haben. Es riecht nach Schmierfett, Metall und Staub, der die nicht genutzten Gegenstände in der Halle bedeckt. Ein unendliche Ruhe ausstrahlender, morbider Charm dominiert die Stimmung in diesem Industriebau, der bis 2003 der am Piesberg beheimateten Steinindustrie diente.

Akustik und Optik gehen an diesem Nachmittag Hand in Hand. Rainer Galke und Karin Hopmann führen eine musikalische Aufsicht für die Ausstellung mit Bildern von Caro Enax und Frank Gillich, die auf der Galerie präsentiert werden. Diese Kombination aus Malerei und Musik ist ein beredtes Beispiel für die Möglichkeiten aber auch die Probleme, die eine Nutzung der alten Steinbrecheranlage mit sich bringt. Zum einen bietet sich das große Gebäude förmlich an, kulturelle Aktivitäten der unterschiedlichsten Arten zusammenzuführen, zum anderen aber kann und will der Steinbrecher eben kein Museum sein, das alle baurechtlichen Vorschriften erfüllt, um hier Besucher schauend und staunend durch die Halle schlendern zu lassen. So braucht die Ausstellung während der Öffnungszeiten eben eine Aufsicht, die gegebenenfalls die Gäste auf potentielle Gefahren hinweist. Die sind gering bis gar nicht vorhanden, versicherungsrechtlich bedarf es aber einer Absicherung.

Was also kann mit dem alten Steinbrecher passieren, bei begrenzten finanziellen Möglichkeiten? "Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen können, was wir machen wollen", sagt Imke Wedemeyer. "Ich sehe das Ganze als eine große Werkstatt", so die Geschäftsführerin des Piesberger Gesellschaftshauses weiter unter dem beifälligen Nicken von Albert Merseburger von den Dampflokfreunden und Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt der Stadt. Auch sie würden dem Steinbrecher gerne neues Leben einhauchen, wohl dosiert, um den Charakter des Gebäudes nicht zu gefährden, aber doch so, dass eine wesentlich größere Öffentlichkeit als derzeit an diesem Kleinod Osnabrücker Industriegeschichte partizipieren kann.

Fest steht, dass ein Teil der Halle für die Werkstatt der Dampflokfreunde reserviert bleibt. "Wir brauchen aber nicht die ganze Anlage", sagt Merseburger. Sein Verein hat im Erdgeschoss die Schinkellok geparkt, deren Teile auf Ebene drei restauriert werden. 500 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Schön wäre es, so Wedemeier, wenn sich zum Beispiel eine Holz- und Metallwerksatt einrichten ließen, die dann von interessierten Privatleuten genutzt werden könnten. "Vorstellbar wäre auch eine Kunstwerkstatt", sagt Frank Gillich der in einem Nebengebäude der Anlage sein Atelier hat.

Den Steinbrecher für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist und bleibt der Kern aller Bestrebungen. Erste Überlegungen des Archtiekturbüros Mutert sehen zum Beispiel einen Eingang in das Gebäude vom Schwarzen Weg aus vor. Außerdem können sich die Architekten kurze freischwebende Stege an den Stirnseiten des Steinbrechers vorstellen, die zum einen den Blick Richtung Zechenbahnhof bieten, zum anderen in Richtung Berg.

Auf keinen Fall soll der Steinbrecher rein musealen Charakter bekommen. Kultur und – als zweites Standbein – die Bildung sollen hier ein Zuhause finden. "Wir können den Menschen an diesem Ort etwas näher bringen", sagt Gerdts mit Blick auf die Umweltbildung, die schon jetzt eine breiten Raum am Piesberg einnimmt. Wie genau das alles aussehen soll, ist noch nicht definiert. "Wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist aber noch nicht zu Ende gedacht." Klar ist auch, dass der Erhalt des Gebäudes für die Dampflokfreunde allein nicht zu stemmen ist. Akut weist das Dach einige Löcher auf und an der Fassade bröckelt stellenweise der Beton. Alles nicht substanzgefährdend aber reparaturbedürftig.

Und die Kosten? Wedemeier ist optimistisch: "Wenn es ein gutes Konzept ist, gibt es auch Geld." Stiftungen aber auch das Land sieht sie als Ansprechpartner. Sponsoren und Spenden sind selbstverständlich ebenso willkommen.