Ein Artikel der Redaktion

Petition in Osnabrück beendet 2225 Unterschriften zur Rettung der Neumarkt-Bäume

Von Sebastian Stricker | 16.02.2016, 06:56 Uhr

Mehr als 1500 Osnabrücker haben bei einer Petition für den Erhalt der Bäume am Neumarkt gestimmt. Bis zum Ende der Zeichnungsfrist am Sonntag sprachen sich außerdem mehrere Hundert Menschen aus der Region gegen geplante Fällungen auf dem Platz aus. Die Verwaltung bringt das ins Grübeln.

Noch in dieser Woche sollen der Stadt jetzt Listen mit insgesamt 2225 Unterschriften übergeben werden. Das kündigte Initiatorin Saskia Hunte am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion an. Adressat ihrer Petition ist Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Zwei Monate Zeit

Die Petition mit dem Titel „Die Bäume am Neumarkt sollen bleiben“ war am 15. Dezember 2015 auf der Internetplattform Open Petition gestartet worden und dauerte zwei Monate. Bis zum Schluss am 14. Februar 2016 um 23.59 Uhr beteiligten sich allein 1554 Bürger aus Osnabrück daran. 91 Unterzeichner stammten aus Nordrhein-Westfalen, davon mehr als die Hälfte aus dem Raum Steinfurt. Aber auch aus allen anderen Bundesländern (mit Ausnahme des Saarlands) kam Unterstützung.

1903 Unterschriften wurden laut Hunte online eingegeben, 322 auf Papier. Das soziale Umfeld der Petentin hat sich bei der Sammlung von Hand offenbar besonders hervorgetan: Saskia Hunte berichtete etwa von einer Hausärztin aus Belm, die sich „sehr für die Petition eingesetzt und mehrere Hundert Unterschriften gesammelt“ habe. Die Kinder sowie die Großmutter einer befreundeten Familie seien zudem in Schule und Nachbarschaft auf Stimmenfang gegangen.

Längere Schonfrist?

Ob 2225 Unterstützer genug sind, um von der Stadtspitze eine förmliche Reaktion zu erwirken, muss sich nun zeigen. Streng genommen wurde das von Open Petition errechnete Quorum (1900 Unterschriften nur aus Osnabrück) um 346 verpasst. Doch Hunte will sich davon in ihrem Kampf gegen die „Betonwüste Innenstadt“ nicht aufhalten lassen. „Die Stimmen müssen gehört werden!“, erklärte die 39-Jährige.

Die Verwaltung scheint angesichts der massiven Gegenwehr ihre Pläne zur Fällung von Neumarkt-Bäumen bereits zu überdenken. Zwar müsse der korrekte Umgang mit der Petition noch rechtlich geprüft werden, „und alle Bäume stehenzulassen, geht auch nicht“, sagte Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau unserer Redaktion am Montag. Doch es sei nicht unwahrscheinlich, dass für manchen ausgemusterten Baum zumindest die Schonfrist verlängert werde.

Protest geht weiter

So hätte etwa der haushohe Ahorn vor H&M eigentlich bis Ende Februar wegen anstehender Arbeiten am unterirdischen Versorgungsnetz verschwinden sollen. „Das wird nun knapp“, stellte Schmidt fest. Und die mächtige Platane vor der Bäckerei Coors, die am anderen Ende des Neumarkt-Carrées angeblich dem geplanten Eckhaus (Baulos 2) im Weg steht? Entkommt der Kettensäge unter Umständen noch ein ganzes Jahr. Denn Baubeginn sei hier erst im Sommer 2017, so der Fachdienstleiter. „Da scheint eine Karenzzeit möglich.“

 Weitere stattliche Bäume könnten jedoch fallen, wenn der gesamte Platz demnächst so umgestaltet wird, wie es der preisgekrönte Architektenentwurf vorsieht. Wer seiner Empörung darüber auch nach Ende der Petition noch offiziell Luft machen möchte, hat dazu am kommenden Samstag, 20. Februar, Gelegenheit. Dann setzt der Verein „Osnabrücker Baumschutz“ zwischen 10 und 14 Uhr vor Ort seine im Dezember begonnene Protestaktion fort. Dabei können Bürger auf Zetteln ankreuzen, dass sie gegen Abholzung am Neumarkt sind. Auch ihre Stimmen sollen später gebündelt dem Oberbürgermeister überreicht werden. Nach Angaben von Vorstandsmitglied Tobias Demircioglu sind es bislang „annähernd 100“. (Weiterlesen: Wegen Nordamerika-Welt: Kahlschlag im Zoo Osnabrück?)