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Performance von Ernesto Pujol „Systems of Weight“ in der Kunsthalle Osnabrück

Von Dr. Stefan Lüddemann | 30.05.2016, 20:30 Uhr

Ernesto Pujol formt in der Kunsthalle Osnabrück die Performance „Systems of Weight“ am 4. und 5. Juni 2016. Sie soll Geschichte Osnabrücks sichtbar machen.

Weiß gewandete Männer und Frauen wandeln gemessenen Schrittes durch das Kirchenschiff. Sie ziehen mit Sand gefüllte Stoffbeutel hinter sich her. Besucher gesellen sich hinzu, beobachten die beinahe unwirklich aussehenden Gestalten, hören auf die Geräusche der Schritte, das Schleifen der Beutel. Wird sie so aussehen, die Performance „Systems of Weight“, die am 4. und 5. Juni 2016 in der Kunsthalle Osnabrück stattfinden wird? „Performance ist für mich eine Praxis der Forschung“, sagt der in New York lebende Künstler, der in Osnabrück untersuchen will, was sich dem Blick entzieht: die kollektiven Erfahrungen der Trauer und Freude, die sich in die Körper der Menschen wie in ein lebendes Gedächtnis eingeschrieben haben. Hier weiterlesen: Kunsthalle sucht Teilnehmer für Performance von Ernesto Pujol.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

„Systems of Weight“ wird eine 36 Stunden lang andauernde Geh-Performance sein, die mit dem Sonnenaufgang des 4. Juni beginnt und mit dem Sonnenuntergang am 5. Juni endet. Männer und Frauen aus Osnabrück sollen in weißer Kleidung durch das Kirchenschiff wandeln und dabei mit Sand gefüllte Beutel ziehen oder tragen. Pujol versteht diese „Weights“, die Gewichte, dabei symbolisch als Hinweise auf Lasten, die Menschen in vielen Lebenslagen mit sich tragen - als Hilfe für Kranke oder Arbeitslose, als Erinnerung an Geschehnisse in der Vergangenheit. Pujol versteht Körper dabei als Medien eines kollektiven Gedächtnisses. Hier weiterlesen: Die Münsteraner „Skulptur-Projekte“ 2017 fragen nach Kunst im öffentlichen Raum.

Von Industriearbeit bis Felix Nussbaum

Er sei schon vor einem Jahr in Osnabrück gewesen, habe mit Menschen gesprochen und sich mit der Geschichte des Ortes beschäftigt, berichtet Pujol bei einem Vorbereitungstreffen mit Teilnehmern der Performance am Sonntag, 29. Mai 2016, in der Kunsthalle Osnabrück. „Ich verstehe mich als ortsspezifischer Choreograf“, beschreibt der Künstler seine Philosophie. Pujol geht im Geschwindschritt durch Osnabrücks Geschichte, vom Industriearbeiter vergangener Zeiten bis zum Jogger heute, vom Westfälischen Frieden bis zu Felix Nussbaum. In den Körperbewegungen der Performer soll sich die latente Geschichte eines Ortes ausdrücken und so zum Vorschein kommen. Das ist Pujols Hoffnung. Hier weiterlesen: Maria José Arjona und ihr Projekt „You are splendid!“ in der Kunsthalle Osnabrück.

Zirkel der Trauer

In New York ließ Pujol Menschen in Weiß nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in einer Kirche wandeln. Sie gingen um einen Stein aus dem Hudson River herum, rückwärts, in einem „Zirkel der Trauer“, wie Pujol erzählt. Performance macht sichtbar, wie Menschen in ihrem Leben sind, welche Erinnerungen eines bestimmten Ortes ihr Dasein prägen. Das will er auch in Osnabrück sichtbar machen. Hier weiterlesen: Wie Maria José Arjona in ihrer Performance Man Ray und Gerhard Richter zitierte.

Osnabrück, Kunsthalle: Ernesto Pujol: System of Weight. Performance am 4. und 5. Juni. Workshop und Ausstellung bis 19. Juni. Di., 13 bis 18 Uhr, Mi.-Fr., 11 bis 18 Uhr, Sa., So., 10-18 Uhr. Info: kunsthalle.osnabrueck.de /