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Osnabrücker Orgelsommer Eröffnungskonzert mit Christian Joppich im Dom

Von Thomas Hitzemann | 06.08.2014, 20:56 Uhr

Durch die offene Tür des Doms strömt es nur so herein. Der Osnabrücker Orgelsommer ist ein Publikumsmagnet. Das Eröffnungskonzert, in diesem Jahr mit Christian Joppich, versammelt alle Verehrer von Orgelmusik aus Stadt und Umland in gewohnter Wiedersehensfreude.

Doch kaum hat man sich über Kirchenbänke hinweg die Hände gereicht, stoßen bereits die ersten Töne der Kuhn-Orgel vor ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Olivier Messiaens „Kampf zwischen Leben und Tod“ aus dem Jahr 1939 packt sofort jeden, der zuhört. Wie ein Todesurteil klingt das Unisonothema zu Beginn. Hitzige Akkorde im Staccato widersprechen. Doch es ist vergeblich. Dissonante Akkordschübe beschreiben die Agonie. Zuletzt ertönt ein Aufschrei im Diskant. Dann beruhigt sich die Musik. In goldener Klarheit des Vox-Coelistis-Registers (Himmelsstimme) macht sich die Seele musikalisch auf die Reise. Von durchsichtigen Akkorden getragen, schwebt sie ins Weite.

Doch in jedem Ende steckt ein neuer Anfang. Wie die erste Regung zarten Lebens klingt es in César Francks Orchester-Zwischenspiel aus dem Oratorium „Erlösung“ in der Orgelfassung von Louis Robilliard . Langsam, aber stetig anschwellend, purzeln Motive so lange verspielt übereinander, bis sich fröhliche Akkordbrechungen über einem energischen Bass herausschälen. Danach gelingt Christian Joppich die durchsichtige Darstellung verflochtener Themen in schwankender Rhythmik. Endlich festigt sich das Geschehen in fanfarenartigen Akkorden.

Ein neues Leben scheint auf festen Beinen zu stehen. Seinen Weg zur Vollreife schildert Joppich mithilfe zweier Sätze aus Charles-Marie Widors Orgelsymphonie VII in H-Dur. Durch das Moderato Cantabile schweift eine eingängige Melodie voller Zuversicht.

Nur gelegentlich unterbrechen Triller ihren Fortgang. Beim Finale schickt Joppich unter gewaltiger Lautstärke ein prächtiges Rondothema in den Kirchenraum. Davon abschweifend, brilliert er mit virtuosen Läufen, unerwarteten Rückungen und stabilisierenden Sequenzen. Dann setzt er einen fulminanten Schlusspunkt durch die Wiederkehr des Themas.

Strahlende Gesichter im Publikum beim Applaus: Joppichs Orgelspiel hat alle Zuhörer aus tiefer Todesnacht zurück in das pralle Leben geführt.

Nächstes Orgelsommer-Konzert: Di., 12. 8., 20.15 Uhr, mit Arne Hatje in St. Marien.