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Osnabrücker Klärwerk in Eversburg Hier landet ein in die Toilette gefallenes Handy

23.02.2017, 18:50 Uhr

vbu Osnabrück Einmal nicht aufgepasst – und schon fällt das Handy in die Toilette und verabschiedet sich in die Kanalisation. Gibt es vielleicht im Klärwerk noch Hoffnung auf Rettung? Was alles gefunden wird und eigentlich gar nicht dort sein sollte, zeigt ein Besuch in der Eversburger Anlage.

Den langjährigen Chef des Klärwerks Eversburg, Jürgen Peters, wundert nichts mehr: „Eheringe, Geld, Handys, Kreditkarten – was ist schon noch skurril?“ Gefunden werden solche Gegenstände in dem großen Rechen, der sie wie auf einer Rolltreppe aus dem Abwasser fördert. Peters, der jetzt den Anlagenbetrieb leitet, formt mit seinen Zeigefingern und Daumen einen Kreis, etwa so groß wie eine Untertasse: Alles, was kleiner sei, erreiche von der Toilette aus die erste Reinigungsstation, den besagten Rechen. Und das auch aus weiter entfernten Stadtteilen in nicht einmal zwei Stunden – quasi ein Echtzeitporträt der Osnabrücker Badezimmer. „Wenn Ihr euch abschminkt, sehen wir das“, sagt Peters.

Ein Netz von Osnabrück bis Mailand

Ab und zu tauchen sogar Balken oder Paletten im Klärwerk auf. Dorthin gelangen sie beispielsweise über Baustellen, die einen Zugang zu den Kanälen haben. Denn in Osnabrück gibt es ein Trennsystem. Abwasser aus den Haushalten fließt in ein anderes Kanalnetz als das Regenwasser, das über Gullys das Klärwerk erreicht. So kommt das Regenwasser nicht mit dem Abwasser in Kontakt. Von letzterem produzieren die Osnabrücker täglich in etwa so viel wie in 2000 Tanklastzüge passen würde. Die Gesamtlänge des Osnabrücker Kanalnetzes entspricht in etwa der Strecke von Osnabrück bis nach Mailand.

Ungebetene Gäste

Peters geht zu einem Becken, in dem sich viele bunte Stäbchen auf der Wasseroberfläche zu Mustern verklumpen. Was fast als Kunst durchgehen könnte, ist tatsächlich eine Unmenge unerwünschter Wattestäbchen, die den Rechen überwunden haben. Auch andere Drogerie-Artikel wie Tampons oder Kondome gehören zwar eigentlich nicht in die Toilette, weil sie die mechanische Reinigung durch den Rechen behindern, landen dort aber dennoch oft genug. Und selbst Essensreste und Fette aus der Pfanne machen Probleme. Sie stören die folgende biologische Reinigung durch Mikroorganismen – und locken Ratten in den Kanälen an.

Eigentlich seien Toiletten nur für Klopapier und Fäkalien gedacht, erklärt Peters. Für alles andere solle man einen Mülleimer ins Bad stellen, „auch wenn es vielleicht stinkt“. In die Gullys dürfe man im Übrigen überhaupt nichts kippen, nicht einmal Laub oder Zigarettenstummel.

Auf der Suche nach Waffen und Gebissen

Was aber, wenn einem doch einmal etwas Wichtiges in die Toilette fällt? Der Abwassertechniker Michael Willenborn hat zum Beispiel schon Brillen, Kuscheltiere oder Puppen im Rechen gesehen. Tatsächlich melden sich ab und zu Anwohner: Einmal habe ein Mann an Weihnachten angerufen und nach seinem weggespülten Gebiss gefragt. Auch die Polizei war schon im Klärwerk unterwegs, auf der Suche nach einer versenkten Waffe. Alle Anfragen sind bisher aber erfolglos geblieben, denn normalerweise hält niemand denn Rechen an. Und Gegenstände werden auch nur zufällig bei der Entnahme von Proben herausgefischt. „Wer will seine Sachen auch schon zurückhaben, nachdem sie in der Kläranlage waren?“, wundert sich Willenborn.

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