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Osnabrücker gaben Geld für den Krieg Jeder Nagel eine Spende für die Kriegswohlfahrt

Von Regine Hoffmeister | 17.07.2014, 12:53 Uhr

Es sollte eine der erfolgreichsten Spendenaktionen in der Geschichte des Ersten Weltkriegs werden: Sage und schreibe 117904,60 Mark brachte die Nagelung des „Eisernen Karls“ in Osnabrück ein. Keine andere deutsche Stadt vergleichbarer Größe hatte bei einer solchen Sammelaktion ein ähnlich hohes Ergebnis erzielt. Das Museum Industriekultur zeigt das Standbild in ihrer Ausstellung über den Ersten Weltkrieg.

Der Osnabrücker Kaufmann Carl Schäffer hatte damals die Idee, ein für die Stadt geeignetes Symbol nageln zu lassen, um so Spenden für die Versorgungen von Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen zu sammeln.

Solche Nagelungen, in Anlehnung an einen alten heidnischen Brauch, gab es damals in vielen deutschen Städten.

Im eilig zusammengerufenen Planungsausschuss der Stadt legte man sich auf ein überlebensgroßes Standbild „Karls des Großen“ fest, obwohl die Osnabrücker Bevölkerung Herzog Wittekind favorisierte.

Bildhauer Heinrich Wulfertange fertigte die Figur nach dem Vorbild des vom Rathaus her bekannten Standbildes Kaiser Karls mit Kettenhemd, Krönungsmantel und Reichskrone, versehen mit vorgefertigten Bohrlöchern für rund 30000 Nägel.

Knapp zwei Monate lang vom 26. September 1915 bis zum 12. November 1915 hatten Osnabrücker Bürger vor dem Theater Gelegenheit, Nägel in das 2,45 Meter hohe hölzerne Standbild schlagen und so das byzantinische Ornat der Figur zu vervollständigen. Aufgrund der großen Nachfrage musste die öffentlichkeitswirksame Spendenaktion sogar noch verlängert werden, da zeitweilig bis zu 6000 Menschen pro Woche zum Nageln kamen.

Je nach Material, Größe und Einschlagstelle waren die Preise pro Nagel von 1000 Mark bis 50 Pfennige gestaffelt. „Jeder Bürger sollte die Chance haben, sich zu beteiligen“ erklärt Museumsleiter und Ausstellungskurator Rolf Spilker. Wer etwas auf sich hielt, verewigte sich mit Namen auf dem erworbenen Nagel. „Der gesellschaftliche Druck war damals sehr hoch.“

Allein 1000 Mark spendeten die Stadt Osnabrück, die Osnabrücker Bank und die Arbeiter der Piesberger Steinindustrie, 300 Mark zahlte die Handwerkskammer und für rund 190 Mark stiftete die Gemeinde Nahne drei Nägel.

Diese Spenden wurden dringend benötigt, denn 1915 waren die Kommunen in Deutschland mit der Versorgung von Kriegsinvaliden und der Unterstützung von Kriegshinterbliebenen zunehmend überfordert, weil die staatlichen Sozialfonds langsam versiegten. Das Geld aus der Nagelung kam dem Osnabrücker Zweigverein des Roten Kreuzes zugute.

Bis zum 28. September zeigt das Museum Industriekultur seine Ausstellung „Eine Stadt im Ersten Weltkrieg. Osnabrück 1914 - 1918“. In dieser Serie stellen wir Exponate der Ausstellung vor. Zu sehen sind sie im Magazingebäude am Süberweg 50a in Osnabrück. Die Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 10 bis 18 Uhr.