Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrücker Friedensbotschafter in Russland Politiker ruft zu Spenden für Twerer Kinderheim auf

Von Jean-Charles Fays | 09.07.2014, 00:03 Uhr

Der Unternehmer Andreas Sandmann und der Politiker Michael Florysiak haben in der Ukraine-Krise wirtschaftliche und politische Brücken nach Russland gebaut. Der Wallenhorster und der Osnabrücker sind zwei von 26 Teilnehmern einer Delegation, die vom 26. Juni bis 1. Juli die Osnabrücker Partnerstadt Twer und die russische Hauptstadt Moskau besucht haben. Sie sagen, was sie als Friedensbotschafter bewirkt haben, warum Osnabrücker für das Kinderheim Twer spenden sollten und es eine Wiederholung der Reise geben sollte.

Herr Sandmann, haben Sie Angst, dass der 5-Millionen-Deal mit Ihrem russischen Geschäftspartner platzen könnte, wenn die Europäische Union wegen der Ukraine-Krise Sanktionen der Stufe 3 gegen Russland beschließt?

Andreas Sandmann: Das besorgt mich schon. Wenn der Zug der EU-Sanktionen erst einmal ins Rollen kommt, dann ist das wahrscheinlich vom Grünen Tisch aus nur ganz schwer zu stoppen. Das könnte schon ein großes Problem und Hindernis für dieses Projekt werden.

Herr Florysiak, die Europäische Union hat bereits erste Sanktionen mit Einreiseverboten gegen Russen ausgesprochen. Haben Sie gemerkt, dass sich dadurch etwas verändert hat?

Michael Florysiak: Jetzt im Moment noch nicht, aber wenn die Sanktionen verschärft würden, dann sehe ich das genauso wie Herr Sandmann. Dann würde das die Wirtschaft spüren, und genau das wollen wir verhindern.

Herr Sandmann, war die Begleitung durch die Politik für Sie förderlich?

Andreas Sandmann: Die Begleitung ist in der Tat förderlich, weil man sich in vielerlei Hinsicht miteinander austauschen kann. Das gibt später auch für die Gespräche mit den Kunden wieder neue Impulse. Ich habe bei meinem Besuch beim Kunden Grüße aus der Politik und vom Oberbürgermeister überbracht. Das ist bei den Russen sehr gut angekommen, weil sie sehr staatstragend sind und sehr viel Wert auf offizielle Symbole legen. Wenn wir Ende des Jahres zu einer Vertragsunterzeichnung kommen, dann hielte ich es auch für gut, wenn Politiker mich begleiten würden. Das gibt dem Ganzen einen richtig runden Touch. Das bedeutet, dass man in der Wirtschaft nicht allein auf der Welt ist, sondern auch von der Politik umrundet und begleitet ist. Das Projekt ist schließlich nicht mit der Vertragsunterzeichnung beendet, sondern dann beginnt erst die eigentliche Arbeit. In dieser Projektabwicklung, die über ein Jahr dauert, können durchaus noch Probleme entstehen. Wenn man aber politisch begleitet wird, dann fallen die weiteren Gespräche leichter.

Wie können Wirtschaft und Politik in so einer Situation überhaupt Brücken bauen?

Michael Florysiak: Da sein in Russland, hinfahren und sprechen. Eine gute Möglichkeit ist bei so einer Delegation ist, zunächst die Wirtschaft und nicht die Politik in den Vordergrund zu stellen. Bei diesen Gesprächen entwickelt sich die eine oder andere Gelegenheit, mit der Politik etwas zu besprechen. Dabei ergibt sich dann die Gelegenheit zu besprechen, wie der Russe das sieht, was wir auch getan haben.

Können Sie Beispiele nennen?

Michael Florysiak: Ich habe einer Russin die Frage gestellt, wie sie das sieht. Die aktuelle Situation der Russen ist mit unserer in den 50er und 60er Jahren zu vergleichen. Sie wollen eine Wohnung haben, sie möchten ihre Kinder gut erziehen können, dass sie zur Schule gehen und vielleicht zur Universität gehen können, ein Auto fahren können und sie wollen nichts als Ruhe, denn sie haben schwere Zeiten hinter sich. Sie nehmen sich unsere Osnabrücker Delegation dabei durchaus als Vorbild. Natürlich sagen wir dabei auch, dass die Russen bei der Krim-Krise völkerrechtlich vollkommen danebenliegen.

Herr Sandmann, konnten Sie beobachten, wie die anderen Unternehmer Brücken bauen konnten?

Andreas Sandmann: Das ist in vielerlei Hinsicht passiert. Die Arbeit in den Gesprächen ist wichtig. Man kann das gar nicht auf sechs bis acht Wochen besprechen. Man kann vielleicht noch einmal in drei Monaten telefonieren. Der Kontakt zu den Russen ist nicht auf ein Jahr, sondern auf zehn Jahre angelegt.

Herr Florysiak, wie konnten die Politiker diplomatische Impulse setzen?

Michael Florysiak: Die Vorbereitung war sehr gut. Da es meine erste Russlandreise war, wirkte alles positiv auf mich. Die Russen neigen auch von früher zu diesem Obrigkeitsdenken. Daher ist es für die Unternehmer in Russland leichter, Geschäfte zu schließen, wenn die Politik dabei ist. Die Unternehmer sprechen dann frei heraus, die Politiker reden hingegen manchmal drumherum, meinen aber das Gleiche: Es kommt schon etwas dabei heraus.

Herr Florysiak, die Politiker haben in Twer ein Kinderheim gesucht. Waren das nicht auch Impulse, die Sie gesetzt haben?

Michael Florysiak: Der Russe ist familienbezogen. Wenn man die Familie ehrt und einbezieht, dann hat man ganz gute Karten. Der Besuch im Kinderheim hat mir sehr gefallen, bedrückte mich aber auch. Die Russen haben es geschafft, mit den geringsten Mitteln ein Heim zu schaffen, das Wärme ausstrahlt und gut geführt wird. Da lohnt es sich wirklich, Geld zu investieren – auch von der Stadt Osnabrück. Vielleicht können sich da auch Unternehmer zusammentun und man kann mal sammeln.

Ist das ein konkreter Spendenaufruf von Ihnen?

Michael Florysiak: Ja, das ist ein Spendenaufruf von mir. Wir würden gerne im nächsten Jahr die gleiche Delegation veranstalten mit anderen Unternehmern oder den gleichen, sodass wir den Kindern im Heim dann wirklich ein dickes Präsent übergeben können.

Das Interview in voller Länge bei os1tv finden Sie hier.