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Osnabrücker erfolgreich Rats-Achter startet bei englischer Traditionsregatta

Von Stefanie Neißner | 23.07.2014, 17:46 Uhr

Gestreifte Jackets, Strohhüte und britische Tradition: Die Henley Royal Regatta, die alljährlich im kleinen Städtchen Henley-on-Thames in England stattfindet, ist nicht irgendeine Regatta, sondern die älteste und traditionsreichste Ruderveranstaltung überhaupt. Ein Erlebnis der besonderen Art – nicht nur für Zuschauer, sondern auch für Ruderer. So auch für den Jungen-Achter des Ratsgymnasiums Osnabrück, der dort in diesem Jahr als erste Osnabrücker Schul-Mannschaft an den Start ging.

Mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren starteten die Rats-Jungs als eine der jüngsten von 32 Mannschaften beim Princess Elizabeth Challenge Cup für Junioren unter 19 Jahren, dem Nachwuchsrennen schlechthin – und konnten die Gänsehaut-Atmosphäre bei der 175. Henley Royal Regatta live erleben. „So ein Rennen dort ist mit nichts vergleichbar“, beschreibt der 17-jährige Jan Otte die Ruderveranstaltung. Mit weit über 50000 Besuchern gehört Henley wie das Pferderennen in Ascot oder das Tennisturnier in Wimbledon zu den wichtigsten gesellschaftlichen Ereignissen in England. „Auf der ganzen Strecke wird man von den Zuschauern angefeuert. Egal, zu welchem Verein man gehört. Das ist schon ein krasses Gefühl.“

Während der Achter mit Jannis Andrae, Justus Dauer, Lukas Frederichs, Tobias Kicker, Ulrich Mohme, Jan Vincent Otte, Jonathan Reitenbach, Marcel Teckemeyer und Steuerfrau Marie-Christin Lehmann das erste Rennen im K.-o.-System über insgesamt 2112 Meter mit deutlichem Vorsprung gewinnen konnte, musste sich die Mannschaft im zweiten Rennen gegen ein deutlich älteres Team aus England geschlagen geben. „Wir sind trotzdem stolz, dass wir dabei sein durften und zwei gute Rennen gefahren sind. Das war eine gute Generalprobe für den bevorstehenden Landesentscheid ‚Jugend trainiert für Olympia‘ in Hannover“, zieht Christoph Lehmann Fazit, der zusammen mit Lennart Wahlbrink das junge Schüler-Team trainiert. „Wir würden uns wünschen, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein zu können.“

Qualifiziert hatte sich der Rats-Achter über die Ausschreibung des Schüler-Achter-Cups der Deutschen Ruderjugend. Mit Unterstützung des Deutschland-Achters und der Caspar-Ludwig-Opländer-Stiftung, des Nachwuchsförderers des Deutschland-Achters, werden so jährlich einer Schüler-Mannschaft die Teilnahme an der Henley Royal Regatta und die direkte Qualifizierung für den Wettbewerb der Schülerachter ermöglicht.

Ein weiteres besonderes Highlight für den Rats-Achter war das als Vorbereitung stattfindende Trainingswochenende mit dem Deutschland-Achter und den Bundestrainern Ralf Holtmeyer und Christian Viedt im Ruderleistungszentrum Dortmund. In vielen Trainingseinheiten auf dem Dortmund-Ems-Kanal konnten die Jungs von den Profis lernen und viele hilfreiche Tipps mit nach Hause nehmen. Holtmeyer, der selbst vom Schülerrudern kommt, wurde schon in jungen Jahren Trainer: „Es ist wichtig, dass wir jungen, starken Nachwuchs haben. Nur so können wir langfristig erfolgreich sein.“

Dass das Ratsgymnasium nicht nur in heimischen Gefilden unterwegs ist, sondern auch internationale Bande pflegt, zeigt neben der Teilnahme in Henley auch der Ruderaustausch, den die Riege seit 1986 mit den USA pflegt. Im jährlichen Wechsel lernen die Osnabrücker Ruderinnen und Ruderer den Westen der USA kennen, leben in Gastfamilien und trainieren dort. Umgekehrt besuchen amerikanische Jugendliche Deutschland. Aktuell sind 30 Mädchen und Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren aus Oakland, Kalifornien, zusammen mit ihren Trainern in Osnabrück zu Gast.

„Der Amerika-Austausch mit den Oakland Strokes ist einer der Höhepunkte in der Ruderlaufbahn unserer Schüler und immer wieder ein besonderes Erlebnis. Die Jugendlichen lernen Land und Leute kennen und schließen Freundschaften. Rudern verbindet eben“, schwärmen Harro Lehmann und Hartwig Ahrens, die den Austausch seit vielen Jahren begleiten. „Wir freuen uns jetzt schon auf den Besuch in Amerika im nächsten Jahr.“