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Osnabrück Ziel: Schneller sein als der Euro

08.09.2009, 22:00 Uhr

Geld aus der Region soll in der Region bleiben. Diese Idee steht hinter dem Osnabrücker Friedensthaler, einer Regionalwährung für Osnabrück und Umgebung. Ende Oktober soll das Geld unter die Leute gebracht werden. Die Initiatoren versprechen sich davon eine Stärkung der ansässigen Geschäfte und Handwerker.

Der Friedensthaler erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648 – und will damit den Bezug zur Region herstellen. Zum Auftakt ist geplant, am Friedenstag, dem 25. Oktober, jedem Steckenpferdreiter fünf Friedensthaler zu schenken.

Alle anderen Unterstützer können den Friedensthaler 1:1 für den Euro eintauschen, wenn sich die Pläne von Gunther Hullmann erfüllen. Es handelt sich also um ein Gutscheinsystem. Der Heilpraktiker aus Osnabrück gehört zu den treibenden Kräften für das Regionalgeld. „Wir suchen Geschäftsleute, Handwerker und Einzelne, die den Friedensthaler akzeptieren“, sagt er und verweist auf die Kundenbindungsfunktion, die mit der Werbung auf der Rückseite der Scheine erreicht werden könne.

Ausgabestellen sollen nicht Banken oder Sparkassen, sondern kundenintensive Unternehmen sein. Vom Friedensthaler erhoffen sich die Initiatoren, dass er den Wirtschaftskreislauf im Osnabrücker Land ankurbelt. Das Regionalgeld soll schneller umlaufen als der Euro und damit eine neue Dynamik entfachen.

Seit einem Jahr gibt es den Verein Friedensthaler, der inzwischen aus 30 Mitgliedern besteht. In diesem Zeitraum kam es zur Banken- und Wirtschaftskrise, die nach Ansicht von Gunther Hullmann und seinen Mitstreitern die Notwendigkeit einer regionalen Währung erhöht.

Langfristig, so wirbt die Initiative, führe der Friedensthaler zu einer Stärkung der Region, was mehr Arbeitsplätze bedeute und eine Stärkung von Handwerk, Einzelhandel und Dienstleistern nach sich ziehe. Beim Rücktausch des Friedensthalers wird eine Gebühr in Höhe von fünf Prozent fällig. Der größte Teil davon soll an eine gemeinnützige Einrichtung gehen.

Kritiker halten der Initiative vor, dass sich die hiesige Wirtschaft genauso gut mit harten Euro unterstützen lasse. Gunther Hullmann hält diesem Argument entgegen, dass der Euro ja nicht nur zum Bezahlen diene, sondern auch zum Sparen – und das sei kontraproduktiv. Beim Friedensthaler handle es sich hingegen um reines Zirkulationsgeld.

Vierteljährlich verliere die Regionalwährung zwei Prozent ihres Ausgabewerts. Dieser Wertverlust werde durch eine Wertmarke auf der Rückseite der Scheine sichtbar gemacht. Schon deshalb werde niemand dieses Geld sparen, sondern möglichst schnell in den Kreislauf zurückgeben. „Das bringt die gewünschte Dynamik in die Wirtschaftskreisläufe der Region“, verspricht Hullmann.

Die eingenommenen Zinsen sollen karitativen und kulturellen Einrichtungen der Region zugutekommen, etwa der Heilpädagogischen Hilfe, dem Theater oder dem Zoo. Jeder Eintauscher soll bestimmen, wohin die Spende beim Rücktausch fließt. Die verbleibenden zwei Prozent will die Initiative zur Finanzierung des Systems einsetzen.