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Osnabrück Wenn das Spiel zur Sucht wird

10.07.2009, 22:00 Uhr

Gern wird mit der Hoffnung auf den „schnellen Gewinn“ und ein „sorgenfreies Leben“ Werbung gemacht. Doch wer sich auf dieses Spiel einlässt, kann abhängig werden, nicht selten mit fatalen Folgen. Davor warnt die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes.

Zunehmend wenden sich Menschen an die Beratungsstellen, weil sie Probleme mit dem Glücksspiel haben. 2008 waren es in Stadt und Landkreis bereits 110 Betroffene, die um Hilfe und Unterstützung baten, weil sie sich durch das Automaten- oder Pokerspiel verschuldet und sozial isoliert hatten – oder weil sie spürten, dass sie weit mehr Zeit als geplant für das Spielen im Kasino aufwendeten.

Im Januar 2008 wurde der neue Glücksspielstaatsvertrag verabschiedet. Die Spielautomaten in Spielhallen und Gaststätten fallen aber unter das Gewerberecht, liegen also außerhalb der Kompetenz der Landesregierung. In der Folge haben sich die für die Aufstellung von Geldspielgeräten erteilten Konzessionen in den letzten Jahren in Osnabrück nach Informationen des Diakonischen Werkes erhöht. Auch die Anzahl der Spielgeräte in den Spielhallen ist demnach stetig angestiegen: von 439 in 2004 auf 579 am Ende des vergangenen Jahres.

Bereits in der 2006 novellierten Spielverordnung wurde die Spiellaufzeit an Spielautomaten verkürzt und der maximale Stundenverlust von 60 auf 80 Euro erhöht. In Gaststätten sind nun drei statt zwei Automaten erlaubt, in den Spielhallen zwölf statt früher zehn. Zudem ist das Spiel schneller geworden: Früher betrug die Laufzeit immerhin zwölf Sekunden für eine Spieleinheit, heute sind es gerade einmal fünf Sekunden.

Das Automatenspiel ist nach Ansicht der Diakonie das Spiel mit dem höchsten Suchtpotenzial. 90 Prozent der überwiegend männlichen Spieler, die sich an unsere Beratungsstellen wenden, haben an „einarmigen Banditen“ gespielt.

Aber auch Anfragen von Pokerspielern nehmen zu, berichten die Suchtberater, insbesondere jener, die im Internet spielten. Das Gefühl dafür, wie viel Geld schon eingesetzt und verspielt wurde, gehe online verloren – ein Kontrollverlust, dem viele Menschen nicht gewachsen sind.

Die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes Osnabrück arbeitet in Kooperation mit dem Ökumenischen Rehabilitationsverbund für pathologisches Glücksspiel und ist eine Referenzeinrichtung im Rahmen des Modellprojektes „frühe Intervention bei Pathologischem Glücksspiel“ der Hauptstelle für Suchtfragen.

Hilfe, Beratung und Behandlung und weitere Informationen finden Betroffene und Angehörige unter Telefon 0541/940100 oder im Internet unter www.suchtberatungsstelle.de. Alle Anfragen werden schnell, vertraulich und anonym behandelt.