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Osnabrück Sozialdrama „poliezei“

Von Tobias Sunderdiek | 28.10.2011, 13:21 Uhr

Es gibt Verbrechen und Situationen, die unerträglich scheinen. Vergewaltigung, Missbrauch, Zwangsverheiratung gehören dazu, aber auch Obdachlosigkeit bei Kindern. Zustände, die „poliezei“, ein Film über eine Pariser Jugendschutzbehörde, mitunter drastisch vorführt.

Mit einem hervorragenden Darstellerensemble schildert der Film episodenhaft erschütternde Beobachtungen – etwa, wie rumänische Immigrantenkinder zur Arbeit gezwungen werden. Wie ein Großvater die eigene Enkelin missbraucht. Aber auch, wie eine afrikanische Mutter mit letzter Kraft ihren Sohn bei der Behörde abliefert, weil sie nicht will, dass er auf der Straße übernachten muss. Als sie ihn verlassen muss, weil nur für den Sohn eine Unterkunft gefunden wird – das gehört gewiss zu den erschütterndsten Szenen seit Langem. Daneben gibt es auch das Privatleben der Beamten mit Trennungen, Streit, neuen Lieben, eigenen Kindern oder Discobesuchen mit den Kollegen.

Sozialreportage? Sittendrama? Ein wenig erinnert „poliezei“, im Original mit „polisse“ ähnlich orthografisch falsch geschrieben, an das Schuldrama „Die Klasse“ von Laurent Cantet. Wie dort wirkt der Film dank des pseudoauthentischen Stils wie eine Dokumentation, ist aber, man merkt es an den dramatischen Spitzen, dennoch ein Spielfilm. Eine Gratwanderung, die der Regisseurin Maïwenn, die übrigens als beobachtende Fotografin der Truppe auch als Schauspielerin auftritt, bestens gelingt.

„poliezei“. F 2011. R.: Maïwenn. D.: Maïwenn, Karin Viard, Joey Starr, Marina Foïs, Nicolas Duvauchelle. 127 Min. Ab 12. Cinema-Arthouse