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Osnabrück Schwerdt ist ein Berufsname des Waffenschmieds

28.07.2009, 12:22 Uhr

Hubert Schwerdt aus Lingen nimmt an, dass sein Familienname mit der Herstellung von Schwertern, also mit Eisenbearbeitung zu tun hat. In den meisten Fällen wird dies zutreffen. Den recht häufigen Namen Schwerdt tragen etwa 2300 Personen fast überall in Deutschland mit Konzentrationen im Emsland, in Schleswig-Holstein, Thüringen, Sachsen-Anhalt und in der Pfalz.

Eine solche Streuung eines Familiennamens zeigt eindeutig, dass er in mehreren, voneinander unabhängigen Fällen entstanden ist. Dies ist vor allem darin begründet, dass das Wort Schwert „ein- oder zweischneidige Hieb- und Stichwaffe“ im gesamten deutschen Sprachgebiet gleich lautet und auf mittelniederdeutsch bzw. mittelhochdeutsch swert zurückgeht.

Liegt dieser Waffenname dem Familiennamen, der seltener auch Schwert und Schwerd geschrieben wird, zugrunde, wird es sich zumeist um einen indirekten Berufsnamen handeln, mit dem der Schwertschmied nach seinem Produkt benannt wurde. Alte Belege des Namens sind beispielsweise Hans Swert 1365 in Esslingen und Henne Swert 1387 in St. Goarshausen.

Vor allem in den Städten waren Häuser früher häufig mit Bildnissen geschmückt, nach denen die Häuser benannt wurden. So gab es auch Häuser „zum Schwert“, nach dem Häusernamen konnte wiederum der Bewohner einen Beinamen erhalten, bezeugt zum Beispiel bei Hans vom Schwert (1399 Schwäbisch Gmünd) und Johannes zu dem Swerte (1476 Limburg/Lahn). Durch Kürzung konnte aus einem solchen dreigliedrigen Namen der einfache Familienname Schwer(d)t entstehen.

Der direkte Berufsname des Schwertschmiedes lautete in ganz Deutschland Schwertfeger, alt: swertveger. Diese Berufsbezeichnung ist sehr häufig zum Familiennamen geworden und existiert heute in den Formen Schwerdfeger, Schwerdtfeger, Schwertfeger, Schwerth-feger. Einige mit „Schwert“ zusammengesetzte Namen sind noch zu erwähnen. Beim ersten Träger der Namen Breitschwer(d)t, Langschwert und Scharfschwer(d)t bezog sich der Beiname auf die Art des von ihm geführten Schwertes. Beim Familiennamen Zucksschwerdt, Zuck- schwer(d)t, Zugschwer(d)t, Zukschwerdt, niederdeutsch früher auch Tuckeswert, handelt es sich um einen Satznamen: Dem ersten Namensträger wurde eine Äußerung „(ich) zücke das Schwert“ in den Mund gelegt. „Zücken“ hat hier die Bedeutung „schnell und mit Gewalt ziehen“. Der Name zielte auf einen Raufbold ab, der offensichtlich schnell mit der Waffe zur Hand war.

In Norddeutschland kann Schwer(d)t in Einzelfällen auch mit mittelniederdeutsch swert, schwert zusammenhängen, einer Variante des Adjektivs swart, schwart „sehr dunkel gefärbt, schwarz“. Dann wurde der Betroffene nach seiner auffällig dunklen Haut- oder Haarfarbe benannt.