Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrück Schürmann wohnte an der Scheune

28.07.2009, 10:44 Uhr

Jan Schürmann aus Bissendorf nimmt an, dass sein Familienname von Schür = Scheune stammt und dass Schürmann mit Schünemann zu vergleichen ist. Diese Annahme trifft zu, dem mit etwa 15000 Namensträgern häufigen Namen liegt das mittelniederdeutsche Wort schüre „Scheune“ zugrunde, der Nachname Schürmann ist vor allem in Westfalen verbreitet.

In den meisten Fällen wird der Familienname vom Wohnsitz des ersten Namensträgers an einer Scheune ausgegangen sein. Dies lässt sich durch historische Belege verdeutlichen. So ist im Jahre 1540 in Oesede Johan tor Schuren („Johann zu der Schüre“) bezeugt, später erscheint dort an derselben Stelle Schürman(n), ähnlich in Ibbenbüren: 1514 Arnt tho der Scuren, 1604 Schuirman, später Schürmann. Neben der weitaus häufigsten Namensform Schürmann gibt es heute noch die erheblich selteneren Namenvarianten Schüür-, Schühr-, Schur-, Schuhr-, Schuurmann.

In einigen Fällen hat sich eine dreigliedrige Namensform erhalten, die den Bezug zum Wohnsitz noch deutlich erkennen lässt, so bei Van der Schüür „von der Schüre“ und bei Verschüer, Verschuer(e), Verschüren, Verschure(n), Verschuur(en), bei denen Van der zu Ver- zusammengezogen wurde. Neben dem einfachen Namen Schüren gibt es noch Ter Schüren, ter Schüren, Ter-Schüren, Terschüren und Terschuren, mit Ter- aus to der „zu der“.

Im Westen des hochdeutschen Gebietes finden sich Namensformen, die von mittelhochdeutsch schiure „Scheune“ ausgehen und die früher den norddeutschen Namen sehr ähnlich waren, so beispielsweise 1284 Ruodolf in der Schure (Südbaden), 1297 Sygebote zer Schüren (Straßburg), 1272 Cunrad Schürman (bei Lörrach). Heute heißt die Scheune in dieser Region Scheuer, die Entsprechung von Schürmann findet sich im ebenfalls häufigen Namen Scheuermann (seltener Scheurmann).

Im Gebiet nördlich und östlich von Westfalen wurde statt Schüre überwiegend das gleichbedeutende Wort Schüne verwendet, das in der Standardsprache heute zu Scheune geworden ist. Der zugehörige Familienname Scheunemann ist im Norden und Nordosten zu finden, die ältere Namensform Schünemann ist vor allem im Südosten Niedersachsens ansässig. Auch diesen Namen liegt der Wohnsitz an der Scheune zugrunde, wie ein Beleg aus Haldensleben zeigt, wo 1350 Tile achter der Schüne bezeugt ist.

In einigen Fällen können die Namen Schür-, Scheuer-, Scheune-, Schünemann auch auf einen Amtsnamen zurückgehen. Zumindest für die Namensform Scheuermann ist belegt, dass der Aufseher und Verwalter der herrschaftlichen Scheuer, in die die mannigfachen Abgaben der abhängigen Bauern zu liefern waren, diesen Amtstitel trug.