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Osnabrück Quarantäne ab sofort nur noch in besonderen Einzelfällen

23.07.2009, 22:00 Uhr

Reaktion auf ansteigende Infektionszahlen: Das Robert-Koch-Institut und das Niedersächsische Landesgesundheitsamt in Hannover haben jetzt neue Empfehlungen zum Umgang mit der Schweinegrippe herausgegeben. Darauf weist der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück hin.

„Die Anpassung der Empfehlungen ist gerade wegen des üblicherweise milden Verlaufs der Erkrankung erforderlich gewesen“, erklärt der Leiter des Gesundheitsdienstes, Dr. Gerhard Bojara. „So haben die Empfehlungen vor allem die Engpässe in den Laboratorien und das kommende Ferienende zur Grundlage.“

Die neuen Empfehlungen im Einzelnen: Eine Quarantäne von Kontaktpersonen ist ab sofort nur noch in besonderen Einzelfällen erforderlich, über die das örtliche Gesundheitsamt zu entscheiden hat. Hiervon betroffen sind insbesondere medizinisches Personal und Personen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten oder Schulen. In Anbetracht der Engpässe in den Laboren wird eine Labordiagnostik zudem nur noch bei Personen mit typischen Krankheitszeichen durchgeführt. Pro Patient soll darüber hinaus nur noch ein Abstrich untersucht werden, nicht wie bisher zwei bis drei. Der sogenannte Schnelltest wird derweil nicht mehr empfohlen. Er eignet sich weder für die eindeutige Feststellung noch den Ausschluss der Schweinegrippe.

„Probleme bereitet uns momentan die Sachlage bei der Kostenübernahme für Laboruntersuchungen. Hier gibt es von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) widersprüchliche Aussagen. Nach Bojaras Ansicht ist die Labordiagnostik bei der Schweinegrippe ganz klar eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und muss dementsprechend übernommen werden. Dass es von der KV immer noch keine Aussage gebe, sei nicht nachvollziehbar und erschwere die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsdienst und Arztpraxen. „Die unklare Sachlage wird auf den Schultern der Ärzte ausgetragen – ein unhaltbarer Zustand. Da wirkt es wie ein Schildbürgerstreich, dass die Patienten sogar das Porto für den Versand ihres Abstriches ins Labor zahlen müssen“, sagt der Chef der Amtsärzte in Stadt und Landkreis Osnabrück.

Bojara empfiehlt den Medizinern in der Region bei der Untersuchung von Patienten, die Symptome der Schweinegrippe aufweisen, eine pragmatische Vorgehensweise. Im Hinblick auf den hohen Kostendruck reiche der herkömmliche mehrlagige Mund-Nasen-Schutz im Regelfall beim Kontakt mit dem Patienten aus. Hochwertige Filtermasken, die deutlich teurer sind, sollten jedoch in besonderen Risikosituationen unbedingt getragen werden.

Im Hinblick auf das nahende Ferienende appelliert der Gesundheitsdienst zudem an die Eltern, kranke Kinder weder in Kindertagesstätten noch Schulen zu schicken. Gerade dort bestehe eine große Gefahr, dass sich die Erkrankung schnell ausbreite. Auch gesunde Kinder, die bestätigte Fälle der „Neuen Influenza“ in ihrer Familie haben, dürften die Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen.