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Osnabrück Han Tol gastierte bei Musica Viva

Von Jan Kampmeier | 26.09.2011, 17:17 Uhr

Über die Blockflöte gibt es fast so viele schlechte Witze wie über die Bratsche. Sie ist in einem eng begrenzten Repertoire zu Hause, nach dem Barockzeitalter wurde eigentlich nichts mehr für sie geschrieben. Doch eben dort ist ihre Rolle virtuos und abwechslungsreich. Musica Viva trat den Beweis dafür mit Han Tols Auftritt in der Schlosskirche auf Gut Sutthausen an.

Der spielte sitzend, vielleicht wollte er sich gegenüber seinen Kollegen an Cembalo und Cello nicht ins Zentrum rücken. Dennoch gingen die musikalischen Impulse von ihm aus. Die musikalische Umgebung Händels wurde im Programm „Handel with care“ abgebildet. Han Tol begann mit der Altblockflöte und ihrem weichen Klang, stellenweise etwas schwach im Vergleich zum kräftigen, von Léon Berben recht vollgriffig gespielten Cembalo. Ein weicher Ton gelang Han Tol jedoch auch auf der Sopranflöte bei Werken von Telemann. Kein bisschen schrill klingt das Instrument bei ihm, dafür aber sehr klar.

Zwischendurch erzählte der Flötist Anekdoten über Händel und Telemann, die als Freunde manchmal Tulpenzwiebeln ausgetauscht hätten – was dem Niederländer besonders gefiel. Außerdem informierte er über die Affekte der barocken Musik, und die fand man, so vorbereitet, leicht wieder.

Mehrere Werke folgten dabei einem einfachen Schema: eine achttaktige Harmoniefolge, über der sich Oberstimmen frei entfalten. In seiner „Folia“ schrieb Corelli beispielsweise eine virtuose Violinstimme, die Bearbeitung für Blockflöte fordert einiges. Han Tol meisterte den Part mühelos und stellte seine Klasse unter Beweis – und die Möglichkeiten seines Instruments.