Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Osnabrück-Halle Kabarettistin in Höchstform: Gerburg Jahnke

Von Anne Reinert, Anne Reinert | 12.02.2017, 13:37 Uhr

 Fies ausgeteilt haben Kabarettistin Gerburg Jahnke und ihre Kolleginnen am Samstag in der Osnabrück-Halle. Und das oft, aber nicht nur gegen Männer.

Erst drei Minuten steht Gerburg Jahnke auf der Bühne. „Und ich war schon wieder so männerfeindlich“, ermahnt sie sich. Was wäre das Leben ohne Männer, gibt sie zu. Was  aber auch wieder nicht so gemeint ist. „Das ist keine Stelle für Applaus“, tadelt die Kabarettistin das Publikum.

Es wird ausgeteilt, wenn Gerburg Jahnke auftritt. Gegen Männer, aber auch Frauen. Gegen Donald Trump, die AfD und frühes Aufstehen. Die 62-Jährige ist nicht allein angereist. „Frau Jahnke hat eingeladen“, heißt es in der Osnabrück-Halle. Und so haben Liza Kos, Frieda Braun, Georgette Dee und Lisa Feller Gastauftritte.

Spitz, fies, hintersinnig, aggressiv

Die Gastgeberin läuft zur Höchstform auf. Gesicherte Erkenntnisse werden mit wenigen Worten weggewischt. Sport? „Ich hatte noch nie Endorphine von Sport“, spottet sie, „ich kriege nur Endorphine von Ritter Sport Mandel.“ Besser sei Nikotin: „Wisset ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel ist“, zitiert Jahnke die Korinther. Und im Tempel, da werden Rauchopfer dargebracht. Spitz, fies, hintersinnig, aggressiv – das kann nicht nur Gerburg Jahnke, das können auch ihre Kolleginnen. Die aus Moskau stammende Liza Kos lässt die drei Frauen in ihrem Kopf zu Wort kommen: die russische, deutsche und türkische Liza. „Intrigiert“ in Deutschland wurde sie von ihren türkischen Nachbarn. Und so kann die abstinente Türkin zurückfahren, wenn die Deutsche und die Russin sich betrunken haben.

Handfeste Alltagsanalysen

Viel Applaus erntet auch Frieda Braun, die über die Bühne „wackeldackelt“ und über die Zeit analoger Telefone sinniert. Ihr braunes Outfit erinnert an den „Brokat-Poncho“ für die Telefoniegeräte von damals, weniger an die digitale Technik von heute. Kein Wunder also, dass sie Taliban und Trojaner verwechselt. Noch mehr Lob für Alkohol und Zigaretten als Gerburg Jahnke hat Georgette Dee übrig. Sie haucht ein Anti-Liebeskummerlied ins Mikro. Nicht, dass das in ihrem Alter noch ein Thema wäre, kokettiert sie. „Aber Tipps gibt man ja gern.“ Handfeste Alltagsanalysen liefert Lisa Feller ab. Sie macht sich über Helikoptermütter her. Und über die „reduzierte“ Weltsicht von Männern. Wo Frauen selbstkritisch nach einem misslungenen Auftritt die Schuld auf ihre Performance schieben, geht es bei Fellers Kollegen nach einem „mittelmäßigen Auftritt“ simpler zu: Für die liegt es am miesen Publikum. Aus dieser Logik lässt sich nur ein Schluss ziehen: Das begeisterte Publikum in der fast ausverkauften Osnabrück-Halle war grandios. Oder lag es doch an der Performance von Jahnke und Co?