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Osnabrück Frau Hauptfeldwebel weist den Weg

31.07.2009, 22:00 Uhr

Privat sei sie immer typisch Mädchen gewesen, sagt Kathrin Köster. Beruflich eher nicht: Nach einer Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin wechselte die heute 35-Jährige zur Bundeswehr und begann eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Laborassistentin. Inzwischen ist sie Hauptfeldwebel – und neben einer Kollegin in Lüneburg Norddeutschlands erste Wehrdienstberaterin.

„Nach 16 Jahren Sanitätsdienst wollte ich einfach mal etwas ganz anderes machen“, erzählt die junge Berufssoldatin. Dass sie als Nachfolgerin von Kurt Timmermann in die Wehrdienstberatung der Osnabrücker Arbeitsagentur gewechselt ist, liegt vor allem an den vielfältigen Erfahrungen, die sie in den zurückliegenden Jahren gesammelt hat – unter anderem bei insgesamt fünf Aufenthalten in Afghanistan, im Kosovo und im Kongo. Ihr Wissen will sie jetzt an junge Menschen weitergeben.

Vor allem die Auslandseinsätze bildeten für sie einen wichtigen Baustein ihrer Laufbahn. „Diese Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen“, betont sie. Fünfmal hat sie sich seit 2002 für zwei bis fünf Monate ins Ausland begeben und als Laborassistentin nicht nur die eigenen Leute, sondern auch die Menschen aus den Krisengebieten medizinisch versorgt.

„Da merkt man, wie wichtig es ist, dass die Bundeswehr in diesen Ländern zur Unterstützung ist.“ Viele Menschen könnten sich dort keinen Arzt leisten. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr biete innerhalb der Friedensmissionen ärztliche Sprechstunden in den Dörfern an.

In den zurückliegenden Jahren war Kathrin Köster auf verschiedenen Laborstellen in Münster, Fürstenau und zuletzt in der Schnelleinsatztruppe der Sanitäter in Ostfriesland eingesetzt. Dabei gehörte auch die Ausbildung neuer Fachkräfte zu ihren Aufgaben.

Für ihre neue Stelle als Wehrdienstberaterin musste sie zunächst ein „Casting“ in Hannover bestehen. „Da wird geprüft, ob wir die Leute auf die Öffentlichkeit loslassen können“, flachst Stabsfeldwebel Claus Molitor, der bereits seit acht Jahren in der Wehrdienstberatung in Osnabrück zu Hause ist. Dem erfolgreichen Auswahlverfahren folgte eine vierwöchige Ausbildung an der Akademie für Kommunikation und Information in Straußberg.

An ihrem neuen Arbeitsplatz umgeben Kathrin Köster nun keine Blutkonserven, Ampullen und Laborgeräte mehr, sondern Telefon, Computer, Terminkalender und zwei ihr gegenüberstehende Stühle. Auf denen werden in den nächsten fünf Jahren jeweils rund 400 bis 500 junge Menschen Platz nehmen und sich von der Frau Hauptfeldwebel über ihre beruflichen Möglichkeiten bei der Bundeswehr informieren lassen.

„Im Schnitt haben wir 800 bis 900 Beratungsgespräche pro Jahr“, bilanziert Claus Molitor, der sich die Arbeit jetzt erstmals mit einer weiblichen Kollegin teilen darf. Hinzu kämen 200 Informationsgespräche und rund 100 Vorträge an allgemeinbildenden Schulen in Stadt und Landkreis Osnabrück.

Haben Frauen bei der Bundeswehr nicht immer noch einen Sonderstatus? Kathrin Köster sieht das nicht so. „Ich bin damit groß geworden“, sagt sie rückblickend. Seit 2001 sind alle Aus- und Weiterbildungsbereiche der Bundeswehr für beide Geschlechter geöffnet. Dort, wo sie gearbeitet habe, sei sie nie die einzige Frau gewesen. „Wir sind gut 16000 Frauen bei der Bundeswehr.“ Und auch der weibliche Nachwuchs schrecke nicht vor dem Dienst an der Waffe zurück: Gut 150 von den 800 Beratungsgesprächen im Osnabrücker Büro würden inzwischen mit jungen Frauen geführt. „Das ist schon ganz gut“, findet Kathrin Köster. Bleibt abzuwarten, ob es mit einer Frau hinter dem Beratungsschreibtisch demnächst noch mehr werden.