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Osnabrück FAZ-Korrespondent Paul Ingendaay stellte im Blue Note seinen neuen Roman vor

Von Marie-Luise Braun | 22.09.2011, 17:01 Uhr

Wie zufällig legt Chantal ihre Hand auf das Bein von Motte. Bei jeder der scharfen Kurven, die der Peugeot nimmt, wandert diese ein Stückchen weiter nach oben. „Gilt die Hand auf dem Oberschenkel als ernst zu nehmender Stabilisierungsfaktor?“, fragt sich der Schüler zwischen Erregung und Panik schwankend. Dann flüchtet er aus dem Auto.

Um seinen Roman „Die romantischen Jahre“ vorzustellen, war Paul Ingendaay in der Littera-Reihe der Buchhandlung Zur Heide im Blue Note. Auch dieses Werk dreht sich um das Leben von Marko Theunissen. Bereits im Vorgänger „Warum du mich verlassen hast“ war Markos Freund Motte dabei.

Jetzt, im Alter von 37 Jahren, zeigt sich: Aus Markos’ Plänen, die er als Internatsschüler schmiedete, ist nicht viel geworden. Er betreibt eine Versicherungsagentur in einem Kaff bei Krefeld, hat eine Affäre mit einer verheirateten Frau, schlägt sich mit Familienproblemen herum.

Das klingt überwiegend fade. Doch auch das zweite Buch des Spanien-Korrespondenten der FAZ glänzt mit sensiblen Beobachtungen, skurrilen Anekdoten und feinem Witz. „Es ist nicht mein zweiter Roman, es ist mein dritter“, sagt der Autor mehr kokett als zerknirscht hinter seinem Rotweinglas. Die eigentliche Nummer zwei liege nur leider in Madrid auf Eis. „Irgendetwas passt nicht, aber ich weiß nicht, was“, sagt der Schriftsteller, der bereits am vierten Roman sitzt.

Er will Marko Theunissen weiter durch dessen Leben begleiten, der wie er 1961 geboren wurde. Für Teil eins hatte er 2006 viel Lob geerntet und war mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet worden. Das Prinzip der beiden Bücher erklärt er so: „Wenn wir im Heute leben, leben wir auch im Gestern und im Vorgestern.“ Und so entwickelte er den aktuellen Roman in Schleifen zwischen Rückblenden und dem Jahr 1998, in dem das Buch spielt. Auch den Unterschied zwischen Innen- und Außenwelt flicht er geschickt ein. Wohl auch aus eigener Erfahrung: Im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung sei er erst Schriftsteller gewesen und dann Journalist geworden. Man müsse ja Geld verdienen, fügt Ingendaay hinzu und hält dann eine flammende Rede auf Versicherungsvertreter. Um sein Buch stimmig schreiben zu können, durfte er einen Vertreter einige Zeit begleiten. Schon allein das hat sich gelohnt.

Paul Ingendaay. Die Romantischen Jahre. Roman. Piper-Verlag 2011, 468 Seiten, 19,99 Euro.