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Osnabrück Er zittert um seine Rente

08.07.2009, 22:00 Uhr

Eigentlich wollte Heinrich Breford diesen Sommer seinen Vorruhestand genießen. Nach einem langen Arbeitsleben bei Karmann. Mit der Insolvenz steht er aber vor einem scheinbar unlösbaren finanziellen Problem. So wie ihm geht es 139 weiteren seiner ehemaligen Kollegen.

An das Leben als Rentner hatte sich Heinrich Breford eigentlich schon gewöhnt. Oder besser: als Altersteilzeitler. Vor gut fünf Jahren hat der heute 60-Jährige das Angebot der Firma zur Altersteilzeit angenommen. Mit 61 wollte er endgültig in Rente gehen.

Drei Jahre sollte er erst mal weiter täglich ganz normal zur Arbeit. Und in den folgenden drei Jahren zu Hause bleiben und die arbeitsfreie Zeit genießen. Obwohl er während dieser sechs Jahre also nur drei Jahre arbeitete, sollte er jeden Monat immerhin 82 Prozent seines Lohns bekommen. „Ein attraktives Angebot“, dachte sich der zweifache Familienvater – und unterschrieb. Alles lief anfangs prima. Nach den ersten drei Jahren in Vollzeitbeschäftigung genießt er mittlerweile schon seit mehr als zwei Jahren die Zeit ohne beruflichen Stress. Bis zur vergangenen Woche. Als der Autobauer Insolvenz beim Amtsgericht anmeldete.

Nicht alles versichert

Die Relegung bei Altersteilzeitlern im Fall einer Insolvenz ist ausgesprochen kompliziert. Über viele Fragen streiten sich selbst die Juristen. Nur so viel ist sicher: Ein Teil des Geldes, das eine Firma wie Karmann ihren Altersteilzeitlern monatlich zahlt, ist gegen eine Insolvenz versichert, weiß Doris Schwedt vom Osnabrücker Arbeitsamt. Aber eben nicht alles. Deshalb sorgt sich Heinrich Breford jetzt um sein Geld.

Er befindet sich in einer scheinbar ausweglosen Situation. Als Altersteilzeitler ist er nämlich unkündbar. Karmann zahlt wegen der Insolvenz aber sein monatliches Gehalt nicht mehr. Bliebe eigentlich nur der Gang zum Arbeitsamt. Aber, so die Sorge des verhinderten Rentners: „Wer nicht gekündigt ist, kann auch kein Arbeitslosengeld beantragen“, glaubt Breford.

Die jetzt wegfallenden Leistungen von Karmann zu seiner Altersversorgung werden seine Rente ab 61 empfindlich kleiner ausfallen lassen, ist sich der Familienvater sicher. Mindestens um 400 Euro, hat er sich ausgerechnet. Seine Rentenerwartung würde dann von 1200 Euro auf 800 Euro zusammenschrumpfen. „Dicht am Sozialfall. Nach einem ganzen Berufsleben“, stellt er mit einem Achselzucken fest. Zum Glück hat der ehemalige Karmann-Angestellte fürs Alter vorgesorgt. „Ich muss keine Miete zahlen, und meine beiden Söhne sind aus dem Haus.“

Diese Sorgen lassen Heinrich Breford schon seit einigen Nächten nicht mehr ruhig schlafen. Er will sein Recht. Er gründete sogar einen Verein, um sich dieses Recht mit den anderen 139 Betroffenen zu erkämpfen. Einen Rechtsanwalt hat der Verein bereits eingeschaltet.

„Das ist ein kompliziertes Rechtsgebiet“, weiß der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Gerhard Schrader. Der Betriebsrat hat sich für seine Ex-Kollegen beim Arbeitsamt informiert: „Ab sofort bekommen die Karmann-Altersteilzeitler Arbeitslosengeld“, ist sich Schrader sicher. „So hat man uns das zugesagt.“ Das Arbeitslosengeld wird für die Dauer von maximal 24 Monaten gezahlt. Wer bis dann – wie Heinrich Breford in elf Monaten – das Renteneintrittsalter erreicht hat, bekommt seine Rente. Schrader versteht zwar die Sorgen der Betroffenen. Die Gründung eines eigenen Vereins sei aber überflüssig. Diese Woche will der Betriebsrat die Betroffenen zusammen mit dem DGB über die Besonderheiten informieren.