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Osnabrück Die Briten haben Lücken hinterlassen

19.07.2009, 22:00 Uhr

April ist die britische Garnison in Osnabrück aufgelöst. Welche Lücken hat der Abzug der Soldaten und ihrer Familien in der heimischen Wirtschaft hinterlassen? Immerhin waren sie auch Kunden. Einige Geschäftsleute vermissen sie mehr, andere weniger.

Osnabrücker Taxen vor britischen Kasernen – das gehörte jahrzehntelang zum Stadtbild. Ob an der Netter Heide, am Limberg oder an der Sedanstraße: Einige Stände tragen nach wie vor die englischen Namen der verwaisten Kasernen. Manche Taxifahrer halten hier noch, doch meist sind die Stände leer. „Die Einbußen sind deutlich zu spüren“, sagt Frank Orbat von der Funk-Taxi-Zentrale. Vor allem in der Nachtschicht und am Wochenende fehlten der Branche die Fahrten zwischen den Kasernen und der Altstadt – und tagsüber zu beliebten Einkaufszielen der Briten.

Eines davon war der Marktkauf in Belm. Fehlen dort die britischen Kunden? „Jein“, findet Leiterin Christel Koniecki. Am Kundenaufkommen sei der Rückzug nicht zu bemerken, wohl aber am Umsatz bei bestimmten Produkten. Nebenan im Mediamarkt werden die Briten vermisst, wie Verkaufsleiter Markus Witte sagt: „Wir merken es schon.“

Das gilt auch für C & A. „Immer am Anfang des Monats kauften viele Engländer bei uns ein“, sagt Annette Meyer von der Geschäftsleitung. Bei Galeria-Kaufhof scheinen die Briten hingegen weniger auf ihren Geschmack gekommen zu sein. „Wir spüren nicht, dass sie weg sind“, berichtet Geschäftsführer Stefan Kubietz.

Dunja Korte vom Café Extrablatt vermisst die britische Kundschaft sehr. „Die haben eine Menge Geld hier gelassen. Ganze Familien waren bei uns zu Besuch, haben gegessen und getrunken. Und ich habe sie gern gemocht.“ Auch Ira Klusmann fehlen die Engländer. Die Direktorin des Remarque-Hotels schätzt, dass die Armee jährlich rund 1500 Übernachtungen eingebracht hat – vor allem wenn Angehörige zu Besuch kamen. „Hauptsächlich an Feiertagen und in den Ferien, wenn weniger andere Gäste da waren, füllten sie oft Lücken.“

Auch manche Handwerker vermissen die Armee. Einer von ihnen ist Matthias Krüsselmann, der mit seinem Rohrreinigungsdienst in allen Kasernen gearbeitet hat. „Für uns ist es schon traurig, dass die Soldaten weg sind – doch dramatisch ist es nicht.“ Er hofft auf die künftigen Nutzer der Gebäude. Das gilt auch für die Stadtwerke, die seit dem Kehraus in den Kasernen weniger Energie absetzen – etwa zwei Prozent, wie Sprecherin Pia Zimmermann berichtet.

Wie groß der Wirtschaftskraftverlust ist, lässt sich kaum exakt bestimmen. Es gibt nur grobe Eckdaten: 1,3 Milliarden Euro wandte das britische Verteidigungsministerium jährlich für seine Soldaten in Deutschland auf. Rund 200 Millionen Euro davon flossen als Sold nach Osnabrück. Viele Familien kauften damit in den Naafi-Shops in den Kasernen ein. Dieses Geld gelangte nie in den regionalen Wirtschaftskreislauf. Doch der frühere Verbindungsoffizer Christopher Linaker schätzt die Summe, die die Soldatenfamilien jährlich in Geschäften und Gaststätten ausgaben, trotzdem auf immerhin rund 1,7 Millionen Euro.

Trotz dieses Verlustes blickt Wolfgang Gurk von der Wirtschaftsförderung optimistisch in die Zukunft: Er spricht über „riesige Chancen für neue Entwicklungen“. Schließlich würden 160 Hektar frei – und damit „viel Platz für Gewerbe“. Wenn es so weit ist, werden wohl auch die Taxistände neue Namen erhalten – „Naafi“ an der Sedanstraße und „Quebec“ an der Landwehrstraße haben dann ausgedient.