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Osnabrück Der Schengber schenkte als Schankwirt Bier aus

28.07.2009, 12:38 Uhr

Harald Schengber aus Georgsmarienhütte hat einmal gehört, dass sein Familienname aus dem französischsprachigen Raum stammen soll, und Johannes Schengber aus Hilter hat die Information, dass sein Vorfahr aus England gekommen sei und beruflich als Gastwirt „Bier ausschenkte“.

Französisch ist der Name Schengber nicht, und aus England kommt er gewiss auch nicht (englische Familiennamen sind nur in extrem seltenen Einzelfällen ins deutsche Sprachgebiet gekommen). Die vermutete Bedeutung ist trotzdem richtig.

Der überwiegend in der Region zwischen Osnabrück, Hilter, Melle und Bad Essen ansässige Name Schengber ist ein 100-prozentig deutscher Familienname, was man der heutigen Namensform allerdings nicht mehr ansieht. Deutlicher erkennbar sind die seltenere Namenvariante Schengbier und vor allem der sehr seltene Name Schenkbier.

Aus historischen Belegen geht klar hervor, dass Scheng- in den heutigen Namen Schengber/-bier aus Schenk- umgeformt wurde und dass -bier auf die ältere Form -ber zurückgeht.

Die zweite Silbe -ber ist als mittelniederdeutsch bêr („Bier“) zu bestimmen, und Schenk- gehört zu schenken („zu trinken geben, bewirten“). Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts erscheint der Familienname in mehreren, heute ausgestorbenen Schreibungen wie Schenckber, -behr, -beer, -bier, Schenkbeer und Schengbeer.

Aus noch älteren Belegen geht hervor, dass Schenkber aus Schenkebêr verkürzt wurde und dass es sich um einen sehr alten und früher weit verbreiteten Familiennamen handelt.

Einige der ältesten Belege seien hier zitiert: 1291 Schenkeber in Stralsund, 1333 Hermann Scenkebyr in Xanten, 1382 Bernd Schenkeber in Dortmund, 1389 Aleke Schenkeber in Coesfeld, im 14. Jahrhundert Henricus Schenkeber bei Holzminden, 1404 Arnd Schenckeber in Waldeck, 1422 Johan Schenckebyer im Rheinland und 1423 Godert Schenkebeir in Coesfeld.

Bei der Deutung des Namens gibt es zwei Möglichkeiten. Schenkeber kann direkt mit dem Wort schenkebêr („leichtes Bier, Dünnbier“) identisch sein, dann handelt es sich um einen indirekten Berufsnamen, mit dem der Bierwirt nach dem von ihm ausgeschenkten Getränk benannt wurde.

Wahrscheinlicher aber liegt in Schenkeber ein sogenannter Satzname vor, der dem Schankwirt die Äußerung „(ich) schenke Bier (ein)“ in den Mund legt, denn eine ganze Reihe von Satznamen mit Bier als Objekt sind für Vergangenheit und Gegenwart bezeugt. So gibt es heute noch Schluck(e)bier, Schlicks-/Schlixbier (schlicken: „schlucken, schlingen“), Schmeckebier, Mögebier, Schwenkbier, Füllbier, Mengebier, Spa(h)rbier (knauseriger Wirt, der nicht richtig einschenkt). Ausgestorben sind beispielsweise Brengebeer („bringe Bier“), Drinkeber, Holeber, Mordebier, Swendeber (schwenden: „vertilgen“), Vreteber („friss Bier“) und Vüllebier.