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Osnabrück Der Name Fockers erinnert an die reichen Fugger

31.07.2009, 10:35 Uhr

Werner Fockers aus Spelle weiß nicht, wie sein Familienname entstanden ist. Die Frage nach dem Ursprung von Fockers kann auch nicht eindeutig beantwortet werden, es kommen drei Möglichkeiten infrage.

Namengeografisch ist Fockers klar in Nordwestdeutschland beheimatet. Die meisten Träger des recht seltenen Namens leben in den Kreisen Emsland und Steinfurt. Auch die heute ausgestorbenen Schreibvarianten Fokkers, Vockers und Vokkers waren in dieser Region ansässig.

Zunächst kann Fockers als genitivische Form bestimmt werden, der erste Träger des Namens wurde als „Fockers Sohn“ benannt. Der Name Focker aber ist mehrdeutig. Einerseits kann ein alter Rufname zugrunde liegen, wobei sich zwei Möglichkeiten ergeben. Focker kann aus Folkher zusammengezogen sein, alternativ kann Focker durch Kürzung auf Fockert zurückgehen. Diese Namensform wiederum ist aus Folkhard entstanden. In beiden Fällen handelt es sich also um einen altdeutschen Rufnamen mit dem Namenwort „Folk-“ (Volk, Kriegsvolk).

Im Mittelalter gab es eine größere Zahl von Rufnamen mit „Folk-“, von denen heute nur noch einige wenige als Vornamen gebräuchlich sind. Früher wechselten F- und V- unterschiedslos miteinander, die heutigen Vornamen werden fast ausschließlich mit V- geschrieben: Volker (aus „Folk-her“), Volkhard, Volkert, selten auch Folkert (aus „Folk-hard“), Volkmar, Volkwin.

Im niederdeutschen Sprachgebiet wurde „Folk-“ schon früh zu „Fock-“ vereinfacht. Dies betraf vor allem den Kurznamen Folko, der in der alltäglichen Sprache als gemeinsame Kurzform der Rufnamen mit „Folk-“ gebräuchlich war. Anstelle der ursprünglichen Namensform Folko überwog bereits im Mittelalter die Form Focko, seit dem Anfang des neunten Jahrhunderts ist zunächst Focko (auch Focco, Fokko, Vokko, Vocco) und später dann Fock(e), Vock(e) ungezählte Male bezeugt. Besonders bei den Ostfriesen war Focko ein beliebter Name – bekanntester Träger war Häuptling Focke Ukena (1370 bis 1436), eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der friesischen Geschichte.

Ebenso wie Folko zu Focko/Focke wurden auch Folkher und Folkhard vielfach zu Focker und Fockert umgestaltet, zu denen Fockers als Genitiv gehören kann.

Der Familienname Focker kann in Einzelfällen aber auch auf den mittelniederdeutschen Berufsnamen „vocker“ (großer Kaufmann, Geldmann) zurückgehen. Im Hochdeutschen sind hierfür auch die Schreibungen focker, fugker, fucker bezeugt. Diese Bezeichnung geht auf das Augsburger Kaufmannsgeschlecht Fugger zurück, dessen unermesslicher Reichtum im 15. und 16. Jahrhundert in ganz Europa so sprichwörtlich war, dass der Familienname zur festen Bezeichnung eines Großkaufmanns wurde.