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Osnabrück Der erste Zumstrull wohnte am sprudelnden Wasser

28.07.2009, 09:48 Uhr

Jörg Zumstrull aus Hagen hat keine Vorstellung, wie sein Familienname entstanden sein könnte. In der aus Harsewinkel (Kreis Gütersloh) stammenden Familie von Margret Zumstrull wird erzählt, der Name habe ursprünglich „Zum Strudel“ gelautet. Die heutige Namensform sei aufgrund falscher Angaben einer „betrunkenen Hebamme“ in die Kirchenbücher eingetragen worden.

Ein beträchtlicher Teil der heutigen Familiennamen wird historisch gesehen „falsch“ geschrieben, die falschen Formen sind vor allem durch Unachtsamkeit der Schreiber in die Schriftstücke gelangt und verfestigten sich dann. Dass ein solcher Irrtum auch beim Namen Zumstrull vorliegt, darf bezweifelt werden.

Heute ist der seltene Name überwiegend im südlichen Landkreis Osnabrück in und um Georgsmarienhütte ansässig. Die verfügbaren historischen Belege kommen fast ausschließlich aus dem Gebiet der heutigen Landkreise Gütersloh und Warendorf sowie aus der Stadt Herford. Der Name erscheint hier auch als Zumstruell und auseinandergeschrieben als Zum Strull, Zum-Strull und Zum Strul.

In der gleichen Region ist auch der einfache, wahrscheinlich aus Zum Strul(l) verkürzte Name Strul(l) nachzuweisen, Strull und Strul sind heute fast ausgestorben.

Die Struktur von Zumstrull/Zum Strull erweist den Namen eindeutig als Wohnstättennamen, den der erste Namensträger aufgrund seines Wohnsitzes am „Strull“ erhielt. „Zum-“ ist die Kurzform von „Zu dem“, im westfälischen Sprachgebiet wäre eine echt niederdeutsche Namensform zu erwarten, die als Tom-, Thom- oder Tenstrull erscheinen könnte. Eine solche Form ist nicht nachweisbar, es muss daher angenommen werden, dass der Familienname schon früh verhochdeutscht wurde.

Was bedeutet nun „Strull“? Dieses niederdeutsche Wort scheint sehr selten gewesen zu sein, im Mittelniederdeutschen ist Strulle einmal mit der Bedeutung „Rohr des Brunnens; Wasserröhre, durch die das Wasser mit Geräusch sprudelt“ bezeugt. Allgemein bekannt ist das zugehörige Verb strullen „geräuschvoll spritzen, regnen, urinieren“, auf die letztere Bedeutung bezieht sich mittelniederdeutsch Strullebecken „Nachtgeschirr, Nachttopf“.

Mangels ausreichender Belege kann nicht eindeutig geklärt werden, wie die Örtlichkeit beschaffen war, an der der erste Zumstrull wohnte. Es ist davon auszugehen, dass „Strull“ einen natürlichen Wasserlauf oder eine von Menschen geschaffene Einrichtung (Wassergraben, Brunnenrohr) bezeichnete, durch die das Wasser mit deutlich wahrnehmbarem Geräusch floss. Diese Örtlichkeit wird im Raum Harsewinkel/Gütersloh gelegen haben, denn dort findet sich auch der seltene Familienname Strullkötter, benannt nach der Lage des Kottens am Strull.