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Osnabrück Der Dycker wohnte einst am Deich

28.07.2009, 12:11 Uhr

Dycker aus Meppen möchte gerne wissen, woher ihr Geburtsname stammt. Der seltene Familienname ist heute vor allem in den Landkreisen Emsland und Vechta ansässig, die historischen Belege zeigen, dass der Name Dycker früher weiter in Nordwestdeutschland verbreitet war.

Dycker ist eine von mehreren Formen eines niederdeutschen Familiennamens, die Schreibung Dyker ist ebenfalls selten, ebenso Diecker und Deicker. Die häufigste Schreibweise ist Dieker, diese Namensform ist vor allem im Münsterland und im westlichen Niedersachsen zu finden.

Das Nebeneinander von Schreibungen mit y und mit i erklärt sich daraus, dass der Buchstabe y vom späten Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert als freie Variante des Buchstabens i geschrieben wurde. Die Namen Dycker und Dyker müssten historisch korrekt als Di(c)ker gesprochen werden, in vielen Fällen wird y heute aber fälschlich als ü gesprochen, so beim bekannten Namen Dyckerhoff, bei dem sich eine ältere Schreibung von Dickerhoff/Dieckerhoff verfestigt hat. Der Di(e)ckerhoff/Diekerhof(f)/Dyckerhof(f) war der Hof des Die(c)ker/Dy(c)ker.

Was bedeuten nun Dycker und die Namenvarianten? Alle angeführten Namensformen gehen auf mittelniederdeutsch dîker zurück, die Bedeutung dieses Wortes wird mit „Deicher, Deicharbeiter; Deichanlieger“ angegeben. Dieker war also einerseits die Berufsbezeichnung für den Deicharbeiter, andererseits wurde Dîker auch als Wohnstättenname an denjenigen verliehen, der am Deich wohnte.

Aus der zitierten Definition von dîker geht eine weitere Möglichkeit nicht hervor, wie der Familienname Dieker, Dycker usw. entstanden sein kann. Das mittelniederdeutsche Wort dîk bedeutete nicht nur „Deich“, sondern auch „Teich“. Teiche gab es in jeder Siedlung oder im unmittelbaren Umland, wobei vor allem an Fischteiche, Mühlenteiche und Löschwasserteiche zu denken ist. Vom Wort dîk in der Bedeutung „Teich“ konnte mit -er ein Wohnstättenname dîker abgeleitet werden, mit dem der Anwohner des Teiches benannt wurde. Vergleichbar sind entsprechend gebildete Namen wie Büscher (wohnt am Busch, Wald), Brinker (wohnt am Brink, also einem Hügel), Kühler (wohnt in oder an der Kuhle) und so weiter.

Diese drei Möglichkeiten – Wohnsitz am Deich oder am Teich oder Beruf des Deicharbeiters – können den Familiennamen Dieker, Dycker usw. zugrunde liegen. Ohne Informationen aus der Zeit, als die Namen gebildet wurden, wird man bei einer Familie Dycker nicht entscheiden können, warum der erste Namensträger seinen Beinamen erhielt.

Eine vergleichbare Unsicherheit gilt für die teils sehr häufigen Namen Die(c)kmann, Dickmann und Dy(c)kmann, die ebenfalls den Anwohner eines Deiches oder eines Teiches benannten, während der hochdeutsche Name Teichmann eindeutig auf den Teich bezogen ist.