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Osnabrück Carmen Hentschel hat ihren Tarum verwirklicht

26.12.2002, 23:00 Uhr

„Träume darf man nicht nur haben, man muss sie auch umsetzen.“ Das könnte das Credo von Carmen Hentschel sein, die ihren Traum verwirklicht hat. Die Osnabrückerin beendet Anfang nächsten Jahres ihre Schauspielausbildung an der Theaterakademie Köln.

Und dann? Bei dieser Frage trifft der Traum auf die nackte Wirklichkeit des Lebens. „Theater schließen und Filmproduktionen werden zurückgefahren“, bringt die 28-Jährige die momentane Situation am Arbeitsmarkt auf den Punkt. Da ist sie Realistin. Vom Fleck die große Karriere machen, berühmt werden und einen Filmpreis nach dem anderen einheimsen – dass war der jungen Frau aus Nahne von Beginn an klar, wäre mehr als naiv gewesen.

Zwar wünscht sie sich Rollen zu spielen, in denen sie ihr Können einsetzen kann, „Charaktere differenziert herauszuarbeiten“, sie gibt sich aber auch mit weniger zufrieden. Sprecherin sei für sie eine Möglichkeit, zum Beispiel beim Rundfunk, die Ausbildung, die etwa 300 Euro monatlich gekostet hat, in klingende Münze umzusetzen. Derzeit steht sie allerdings noch für das Abschlussstück ihrer Schule auf der Bühne. Mit der Essener Schauspielregisseurin Kathrin Sievers proben sie und ihre Kollegen das Botho-Strauß-Stück „Die Zeit und das Zimmer“, sozusagen als Gesellenstück nach gut zweijähriger „Lehrzeit“.

Dabei ist Hentschel schon wesentlich länger dabei. Zurückgeworfen durch einen schweren Verkehrsunfall, musste sie die Ausbildung unterbrechen, die Schule wechseln und noch einmal fast von vorne anfangen. Sie hat sich nicht unterkriegen lassen und ihren Weg unbeirrt fortgesetzt. Und der war keineswegs einfach. Schon zu Beginn lagen große Hürden auf dem Weg. „Es war unheimlich schwer an die nötigen Informationen zu kommen“, erinnert sich die junge Frau. Niemand habe ihr wirkilich helfen können. Also entschloss sie sich zur Selbsthilfe, reiste nach München und begann sich durchzufragen, bis sie endlich das erste Vorsprechen hatte. Sie wurde angenommen, trotz nur einwöchiger Vorbereitungszeit. „Nicht weil ich meine Rolle so gut konnte, hat man mich genommen. Das Argument war, dass ich im Improvisationsteil ganz gut war.“

Und mit der Improvisation geht es auch jetzt weiter. Das Telefon gehört zum täglichen Arbeitsgerät. Sämtliche Casting-Agenturen, Theater und Produktionsfirmen stehen auf der Liste. „Klinken putzen“, heißt die Devise. Was Hentschel stört, ist der Eigensinn der Kollegen. Unüblich sei es, dass zum Beispiel mal jemand sagt, dass er von einem Casting gehört habe und einen Kollegen darauf aufmerkam macht. Das Motto „Hilfst du mir, helf ich Dir“ ist unter Schauspielern scheinbar unbekannt. Hentschel weiß um die Schwierigkeiten, überhaupt in die Schauspielausbildung zu starten, deshalb bietet sie jungen Menschen, die einen ähnlichen Werg gehen möchten, an, unter der E-Mail Adresse calunu@web.de an sie zu schreiben und Fragen zur Ausbildung zu stellen. „Ich kenne viele Menschen, die auch diesen Weg gehen möchten. Vielleicht kann ich ja ein bisschen helfen.“

Und die eigenen Träume? Gibt es da noch welche? Eines Tages mal mit einem eigenen Stück auf der Bühne stehen, ist so ein Traum. „Das könnte in Richtung Kabarett gehen“, sagt sie. Na dann. Ein Traum ist ja schon wahr geworden, warum nicht auch noch ein zweiter.