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Osnabrück Auf der Anhöhe oder im Moor

28.07.2009, 09:19 Uhr

Werner Haarmeier aus Osnabrück fragt sich, ob Haar- zum Wort har „Erhöhung“ gehören kann. Der recht seltene Name Haarmeier findet sich heute insbesondere in der Stadt Osnabrück und im Landkreis Steinfurt, die etwa doppelt so häufige Schreibvariante Haarmeyer ist vor allem im ostwestfälischen Landkreis Minden-Lübbecke und in der Hansestadt Hamburg ansässig.

Diese Verteilung zeigt, dass der Familienname in mehreren, voneinander unabhängigen Fällen entstanden ist. Aus historischen Belegen geht hervor, dass es sich bei Harmeier und Harmeyer um weitere Varianten des gleichen Nachnamens handelt, diese beiden Schreibweisen haben im Landkreis Osnabrück ein deutliches Namenszentrum.

Das niederdeutsche Wort „die Har“, auch Haar, Haer, Hahr geschrieben, ist fast ausschließlich für Nordwestdeutschland nachweisbar, mit diesem Wort wurden Anhöhen und Höhenzüge bezeichnet. Bekannt ist der Höhenzug Haar am südlichen Rand der Westfälischen Bucht, auch im Gebirgsnamen Rothaar(gebirge) im Sauerland ist das Wort enthalten.

Ein Meier, also ein Inhaber eines Hofes, dessen Gehöft an einer Anhöhe namens Haar, Har lag, konnte als Haarmeier (Harmeier usw.) bezeichnet werden. Auch beim häufigen Namen Ha(a)rmann kann es sich um einen Wohnstättennamen handeln, der vom Wohnsitz an einer Ha(a)r ausging.

In den Familiennamen Ha(a)rmeier/-meyer und Ha(a)rmann kann aber auch ein gleichlautendes, heute ebenfalls ungebräuchliches Wort hâr stecken: Das mittelniederdeutsche Wort hôr, hôre „Schlamm, Moorerde, Lehm, Modder; Dreck, Unrat“ hatte eine Nebenform mit Vokal â. Diese Wortvariante hâr hatte grundsätzlich die gleiche Bedeutung wie die Normalform hôr(e), hâr ist aber auch als Bezeichnung einer „festeren, trockenen Stelle im Moor“ bezeugt. Der Hof eines Ha(a)rmeier/-meyer kann daher auch am Rande eines moorigen Geländes gelegen haben.

Bei den Namen Ha(a)rmeier/-meyer und Ha(a)rmann kann ohne zusätzliche Informationen über die Beschaffenheit der ursprünglichen Wohnsitze nicht entschieden werden, ob Haar-/Har- auf das Wort für eine Anhöhe oder auf die gleichlautende Bezeichnung für die Moorerde zurückgeht.

Im hochdeutschen Sprachgebiet, das heißt, südlich einer Linie, die in etwa durch die Städte Düsseldorf, Siegen, Kassel, Dessau, Cottbus von Westen nach Osten führt, gibt es ein weiteres Wort Haar (früher har geschrieben), das „Flachs“ bedeutet. Im Süden können sich die Namen Haarmeier und Ha(a)rmann daher auf den Flachsanbauer beziehungsweise auf den Flachshändler beziehen. Für die in Nordwestdeutschland beheimateten Haarmeier, Haarmann usw. kommt diese Möglichkeit nicht infrage.