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Ohne großen Schnickschnack Dieter Nuhr unterhält die Osnabrücker

Von Tom Bullmann | 06.12.2013, 01:55 Uhr

Er ist der ruhige Vertreter unter den Komödianten: Ohne Hektik, Bühnenbild, Lichtbrimborium und anderen Budenzauber kommt Dieter Nuhr aus. Das gesprochene Wort gilt. An einem kleinen Tischchen stehend, darauf nur ein iPad als Gedächtnisstütze und ein Glas Wasser, unterhält er das Publikum in der ausverkauften Osnabrückhalle mit seinem reduzierten Redefluss, der mit zunehmendem Alter resignierter zu werden droht.

Was waren das für Zeiten, als Nuhr sich noch vehement über die Finanzkrise aufregen konnte. Jetzt erinnert er sich daran, dass er seiner Tochter abends noch etwas vorlas. „Das mache ich heute auch noch, aber irgendwie stört mich der Typ, der neben ihr liegt“, nostalgiert er. Ob Rentnertum, deutscher Schlager, Ozonloch oder computergesteuerte Automobile: Höhnisch greift er Themen auf, entlarvt auf seiner verhaltene Art gesellschaftliche, technologische und ökologische Fehlentwicklungen. Wenn er die Politik aufs Korn nimmt, fehlt jedoch der Biss: „Früher waren die CDU-Wähler die Spießer. Jetzt findet man sie im SPD- oder Grünen-Spektrum“, meint er und bedauert, dass die letztgenannten offenbar die Spaßbremse zu ihrem Beruf gemacht haben: „Jetzt wollen sie Nachtangeln verbieten“, so Nuhr.

Der Düsseldorfer, der da ganz allein auf der großen Bühne steht, wird immer philosophischer, bemüht Platon, Heidecker und meint, wenn jetzt ein Erlöser auf die Welt käme, wäre dieser spätestens nach zwei Tagen im Irrenhaus. Er räsoniert über die Angewohnheit der Deutschen, zu viel zu meckern und zu grübeln, dabei lebten wir in einer Art sorgenfreiem Paradies: „Wir werden nicht verhaftet, wenn wir die falsche Partei wählen, im Rhein leben wieder Lachse und es werden immer weniger Rentner im Straßenverkehr überfahren“ sagt er. Doch dann flackert das Zynische in ihm auf: „Die Rentner fahren jetzt selbst so lange, bis sie nichts mehr sehen und hören…“

„Nuhr ein Traum“ heißt das Programm, das Dieter Nuhr präsentiert. Das Wortspiel passt - nur nicht für die Passagen, in denen man besser das Wort Alptraum benutzen sollte.