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Öffentliche SPD-Sitzung Ab 1. Juli graben die Archäologen am Neumarkt

Von Wilfried Hinrichs | 22.06.2016, 23:02 Uhr

Den ersten Spatenstich für das Einkaufszentrum am Neumarkt führen die Archäologen aus: Am 1. Juli beginnen die Grabungen auf dem früheren Parkplatz an der Großen Rosenstraße, wie Projektmanager Björn Reineking vom Investor Unibail Rodamco erklärte. Das Parkhaus wird zeitgleich geschlossen.

In einer öffentlichen SPD-Fraktionssitzung stellte Reineking am Mittwochabend das Konzept für das Einkaufszentrums vor, während SPD-Fraktionschef Frank Henning den Blick auf das große Ganze lenkte: die „Neue Mitte“ am Neumarkt. Frank Henning zählte die bevorstehenden Großinvestitionen auf: 130 Millionen für das Einkaufszentrum, über 30 Millionen für das Justizzentrum, mehrere Millionen für ein neues Gebäude vor dem Neumarkt-Carree (auf dem sogenannten Baulos 2) und eine mindestens sechsstellige Summe für die Neugestaltung des Platzes. Das sogenannte Baulos 2 will Immobilienkaufmann Theodor Bergmann zusammen mit einem Partner aus Hamburg bebauen. Der Bau soll im März 2017 beginnen, im September/Oktober 2018 soll es fertig sein.

Bergmanns Appell

Bergmann warb eindringlich dafür, am Neumarkt nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Die Investitionen von weit über 200 Millionen Euro bewertete er als „Initialzündung“ für die Handelsentwicklung Osnabrücks. Schon 1994 habe er ein Konzept für den Neumarkt vorgelegt. Passiert sei fast nichts. Die Folge: Der Neumarkt sei in den Neunzigerjahren zu einem „völlig heruntergekommenen Schrottplatz“ geworden.

Ebenso eindringlich sprach sich Bergmann für einen autofreien Neumarkt aus. Er verstehe die Sorgen der Wall-Bewohner, aber in der Abwägung müsse die Stadt der sinnvollen Entwicklung dieses zentrales Platzes Vorrang geben. Bergmann wörtlich: „Ich kenne keine andere Stadt, die ihre geografische Mitte als Durchgangsstraße missbraucht.“

Biergarten in der Johannisstraße

Frank Henning lenkte die Aufmerksamkeit der etwa 40 Zuhörer auf ein Detail im geplanten Einkaufscenter – auf die gastronomischen Angebote. „Einen Biergarten in der Johannisstraße“ werde es geben, betonte Henning und verband damit die Botschaft, dass mit dem Center und dessen neuen Angeboten „ein Frequenzbringer“ in die Johannisstraße geholt werde. „Damit werten wir das ganze Quartier auf.“ Henning bekräftigte, dass den Kunden von außerhalb „ein Grund“ geboten werden müsse, um in die Stadt und in diesen Teil der Stadt zu kommen. Das Center werde den Handelsstandort Osnabrück insgesamt aufwerten.

Bussen sollen bleiben

Der Neumarkt werde weiterhin der Knotenpunkt für den Nahverkehr bleiben, „weil die Menschen in die Innenstadt wollen“. Wenn in Zukunft nicht mehr 25 000 Autos täglich über den Neumarkt fahren, so Henning, sei das eine deutliche Verbesserung gegenüber der früheren und heutigen Situation. Und mit der fortschreitenden Elektrifizierung der Busflotte werde das Problem verschwinden.

Uwe Lehmkuhl, Immobilieninvestor aus Ibbenbüren, kritisierte die Pläne für den Neumarkt als völlig verfehlt. Das größte Problem sei der Busverkehr, der nicht über den Neumarkt geführt werden dürfe. Ähnlich äußerte sich Lars Crusius, Sprecher der Interessengemeinschaft südliche Innenstadt, der bezweifelt, dass angesichts der hohen Busfrequenz eine angenehme Aufenthaltsqualität auf den Platz entstehen könne.

Björn Reineking zeigte sich überzeugt, dass sich die Johannisstraße mit dem Einkaufszentrum sehr schnell zum Positiven verändern werde. Im Moment herrsche Stillstand, weil viele Hausbesitzer mit ihren Investitionen auf die weitere Entwicklung warteten.