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Nussbaum und der Humor Der neue Museumsmann: Nils-Arne Kässens stellt sich vor

Von Ralf Döring | 14.09.2016, 18:53 Uhr

Der neue Leiter des Felix-Nussbaum-Hauses und des Kulturgeschichtlichen Museums heißt Nils-Arne Kässens. Jetzt hat ihn die Stadt vorgestellt.

Die Flatcap legt Nils-Arne Kässens nicht ab, als wäre sie Teil seiner selbst. Sie unterstreicht förmlich den wachen Blick aus auffällig blauen Augen, mit denen er in die Runde blickt, während Patricia Mersinger, die Leiterin des Fachbereichs Kultur, darüber referiert, wie und warum ein zehnköpfiges Gremium Kässens zum neuen Leiter von Felix-Nussbaum-Haus und Kulturgeschichtlichem Museum gekürt hat. Weiterlesen: Wer ist Nils-Arne Kässens? 

Das durchlässige Museum

Der Gründe sind viele: Er habe „am überzeugendsten“ dargelegt, wie er das Museumsareal entwickeln wolle, sagt Mersinger, wie er die Menschen erreichen will, wie er mit großen Ausstellungen sowohl überregional punkten als auch die Bürger der Stadt erreichen wolle. Zudem habe er durch seine kuratorische Arbeit gelernt, a) „mit dem, was da ist, zu überzeugen“, und b) mit seiner Überzeugungskraft neue Sponsoren zu gewinnen. Die investieren offenbar lieber in Kultur als die Finanzpolitiker der Stadt. Weiterlesen: Welche Herausforderungen warten auf Nils-Arne Kässens? 

Doch auch Sponsoren wollen überzeugt sein – vielleicht mit Kässens’ Idee vom „durchlässigen Museum“: Themen, die in Osnabrück bewegen, sollten ins Museum hinein-, dort verhandelt und wieder hinaus in die Stadt getragen werden. Selbstverständlich beherrscht Kässens das Standardvokabular des Kulturmanagers: „Teilhabe“, „niedrigschwellige Angeboten“, „Partizipation“. Und schließlich formuliert er titelwürdig, wenn er sagt, „mein Museum ist kein Mausoleum“. Er strebt an, den gesellschaftlichen Diskurs in seine Häuser zu holen. Lesungen, Diskussionen und dergleichen mehr.

Bevor Kässens beide Häuser stärker vernetzt, setzt er zunächst auf Profilierung. Das Felix-Nussbaum-Haus will er zum gesellschaftspolitischen Museum entwickeln und außerdem den Künstler Felix Nussbaum aus dem übergroßen Schatten herausholen, den Daniel Libeskind und sein Museumsbau werfen. Dazu bringt er den Osnabrücker Künstler mit zeitgenössischen Künstlern in Dialog, um Themen wie Vertreibung, Flucht und Migration zu verhandeln. Das Kulturgeschichtliche Museum begreift Kässens hingegen als ein „Stadtlabor“, als einen „lebendigen Organismus“. Hier will er „die Gegenwart befragen“ und einen „Blick in die Zukunft“ werfen.

Es ist Luft nach oben

Diesem Haus will Kässens sich zunächst widmen. „Als Erstes werde ich in die Sammlung gehen“, sagt er, um den Bestand zu sichten. Denn: „Was haben wir eigentlich?“ Eine berechtigte Frage. Neue Vermittlungsformate sollen die Bürger einbinden, überhaupt soll im Museumsareal ein Ort mit Verweilqualitäten entstehen. Ein Museum ohne Café? So etwas ist für Kässens neu.

Bei Felix Nussbaum möchte er „die Lebensbejahung“ und den spezifischen Humor in den Fokus rücken – das klingt wie ein Perspektivwechsel. Sein Ziel dabei: mehr Akzeptanz beim städtischen Publikum. Gerade bei Leuchtturmprojekten. „Da muss man die Bürger mitnehmen“, sagt Kässens. „Dann brummt es, und wenn es brummt, bekommen das auch andere mit.“

Wie viele Menschen er dafür ins Museum holen muss, ist nicht festgelegt. „Es gibt keine Zielvorgaben“, sagt er, „aber es ist Luft nach oben.“ Sein Anspruch bemisst sich sowieso nicht in Zahlen, sondern in Idealen: „Wenn es nicht gelingt, die Museen zu einem Ort der Identifikation zu machen, haben wir unseren Auftrag verfehlt.“ Weiterlesen: Die Osnabrücker Museums-Agenda