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Nur bedingt poetisch Die „Angefahrenen Schulkinder“ mit Musik-Comedy-Mix in Osnabrück

Von Matthias Liedtke | 09.12.2015, 01:06 Uhr

Mit der gesamten Bandbreite von brachial bis feierlich haben die „Angefahrenen Schulkinder“ im Haus der Jugend die Weihnachtszeit eingeläutet.

Nach rund drei Stunden unterhaltsamem Musik-Comedy-Mix standen die überwiegend männlichen Fans auf den Stühlen, um „Ein bisschen Freundlichkeit“ zu feiern. Aus gutem Grund, denn freundlich war die diesjährige, seit drei Jahrzehnten rituelle Weihnachtshow der lokalen Rock-Komödianten natürlich nur selten. Gitarrist Jo Granada pöbelte sich vor der Pause verbal-erotisch durchs Publikum, nachdem er zuvor spritzige Weihnachtsgedichte vorgetragen hatte und im Prolog die Apokalypse mit nur wenig Hoffnung anreicherte.

Auch Heaven als längst graue Eminenz am Mikrofon gab sich nur bedingt poetisch, als er brachial gleich zu Beginn die Heavy Metal-Persiflage „Tötet Onkel Dittmeyer“ hinter sich brachte und später als Samson aus der Sesamstraße über das „vollgewichste Schnuffeltuch“ sinnierte. Potenziell aufkommende Weihnachtsstimmung wurde mit Ausnahme des eingedeutschten Slade-Covers „Frohe Weihnacht“ durch stumpf verrockte Interpretationen von „Morgen, Kinder, wird´s was geben“ oder „Alle Jahre wieder“ – wie all die Jahre zuvor – standes- und naturgemäß im Keim erstickt. Die fäkale Hommage an das „Winterwunderland“ tat ihr Übriges.

Zwischendurch gab es immer wieder mehr oder wenige gelungene Comedy-Einlagen wie die hintergründige Aufführung von „Winnetou 1 bis 3“ durch das doppelt fiktive „Laien-Tanztheater Bad Iburg“. Für einen wahrhaftigen Höhepunkt sorgte das im „Alleinunterhalter an der Hammondorgel“-Stil vorgetragene Titelstück des neuen Albums, mit dem die Schulkinder auf ihre unnachahmliche Weise die alltägliche Gewaltbereitschaft, aber auch die Untaten aller Kriegstreiber und Diktatoren dieser kranken Welt anprangern: „Ein kleiner Penis ist keine Entschuldigung – für einen Krieg oder eine Schlägerei“.

Als Parodien von Peter Maffay, Udo Lindenberg und Udo Jürgens gemeinsam mit dem Publikum in Form von „Lass es sein“ beatleleske „Worte der Weisheit“ anstimmten, hoffte man, dass die vier skandalumwitterten Provokateure sich diese niemals zu Herzen nehmen werden. Denn die „Schulkinder“ sind schließlich eine Osnabrücker Institution und ihre von der dreiköpfigen „Heaven Allstar Band“ unterstützten Weihnachtsshows ein Ritual, dass bei so manchem eine kathartische Wirkung entfacht.