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NOZ Monatsrückblick WM-Jubel und Klinikum-Insolvenz: der Juli in Osnabrück

Von Frank Riehemann | 31.07.2014, 19:05 Uhr

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die Menschen in der Region im Juli 2014: Dem Jubel über den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft und der Erleichterung bei den Mitarbeitern von Volkswagen folgten der Schock über die Insolvenz des Klinikums Osnabrücker Land in Dissen und die Entlassungen bei KME. Ein Monatsrückblick.

Hochspannung herrscht in Osnabrück und Umgebung während der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Vor Fernsehern und Leinwänden in Gaststätten und Diskotheken fiebern die Fans beim Public Viewing mit der deutschen Mannschaft. Nach dem Sieg über Argentinien kennt der Jubel dann keine Grenzen. Auf den Straßen und Plätzen der Region feiern die Menschen die ganze Nacht den vierten Titelgewinn.

Erleichterung bei den Mitarbeitern von Volkswagen: Ab dem Sommer 2015 soll der Porsche Cayenne zum Teil in Osnabrück gebaut werden. Das Werk soll die Endmontage von rund 20 000 Stück im Jahr übernehmen.

Schockiert sind die Beschäftigten des Klinikums Osnabrücker Land in Dissen. Der Planungsausschuss des Sozialministeriums in Hannover empfiehlt, das Krankenhaus im Südkreis nicht mit den dringend benötigten Investitionen in Höhe von 17,5 Millionen Euro zu fördern. 32 Planbetten sollen an den Standort Georgsmarienhütte verlagert werden. Die Geschäftsführung stellt daraufhin einen Antrag auf Planinsolvenz. Wenn das traditionsreiche Krankenhaus in Dissen in drei Monaten schließt , verlieren 480 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.

Sorgenvoll blicken auch die Mitarbeiter des Kupferverarbeiters KME in die Zukunft. Auf einer Betriebsversammlung teilt die Geschäftsführung mit, dass im Osnabrücker Werk 140 Stellen gestrichen werden sollen. Grund sind eine mangelnde Auslastung und Umsatzeinbußen vor allem im Geschäft mit der Bauwirtschaft. KME will sich mit einer Neugliederung in drei Geschäftsbereiche und mit einem neuen Chef den schwierigen Marktbedingungen stellen.

Dunkle Wolken brauen sich auch über den lokalen Radiosender osradio 104,8 zusammen. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) stellt Strafanzeige gegen einen Hauptverantwortlichen des Senders wegen des Verdachts der Untreue . Der Beschuldigte aus dem Trägerverein soll sich während seiner neunmonatigen Übergangstätigkeit als Geschäftsführer des Lokalradios selbst entlohnt haben. Dazu soll er unter anderem Summen abgezweigt haben, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zweckgebunden an osradio 104,8 überwiesen hatte.

Für Schlagzeilen sorgt weiterhin der Streit zwischen dem Landkreis Osnabrück und Susanne von Garrel, der aus dem Amt abberufenen Gleichstellungsbeauftragten. Die 57-Jährige klagt derzeit vor dem Arbeitsgericht auf Zahlung der Gehälter für die Monate seit Oktober 2013. Jetzt verlangt sie zusätzlich Schmerzensgeld als Opfer einer angeblichen Mobbingkampagne. Als neue Gleichstellungsbeauftragte wählt der Osnabrücker Kreistag Anfang des Monats Monika Schulte aus Georgsmarienhütte.

Der Rat in Osnabrück trifft die wohl wichtigste Entscheidung der letzten Jahrzehnte. Mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten stimmt er dem Durchführungsvertrag für den Bau eines Einkaufszentrums am Neumarkt zu. Einen Tag zuvor haben bereits die Manager des Investors mfi den Vertrag unterschrieben. Bis zum Beginn der Bauarbeiten müssen aber noch technische Fragen geklärt werden. 2017 soll das Einkaufszentrum fertig sein.

Eine andere Großbaustelle in Osnabrück sorgt weiterhin für Aufsehen: der ehemalige Güterbahnhof. Rauschgiftfahnder sprengen eine private Drogenparty in einem Bereich, der der Zion GmbH gehört. Von über 100 Personen werden die Personalien aufgenommen. Die Palette der sichergestellten Betäubungsmittel umfasst nach offiziellen Angaben Heroin, Kokain, Amphetamin, Ecstasy, Marihuana, MDMA, LSD und halluzinogene Pilze.

Für die zukünftige Nutzung des Ringlokschuppens auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Osnabrück sind die Weichen gestellt. Die Stadt einigt sich mit dem Besitzer des denkmalgeschützten Gebäudes, Frederik Heede, der auch das Alando-Palais betreibt, auf einen Kompromiss. Laut Einigung übt die Stadt nun das Vorkaufsrecht für die 26 000 qm große Fläche mit dem denkmalgeschützten Gebäude aus, das Heede ursprünglich von der Zion GmbH erwerben wollte. Auf dem Gelände könnte ein Busterminal für Fernbusse entstehen . Im Gegenzug darf Frederik Heede neben dem Alando-Palais ein Holiday-Inn-Hotel mit 158 Zimmern bauen.

Ein Feuer beschädigt Teile der Grundschule Sutthausen in Osnabrück so stark, dass sechs Klassenräume zunächst nicht genutzt werden können. Unbekannte hatten mehrere Mülltonnen in Brand gesteckt. Die Flammen griffen dann auf das Dach der Grundschule über. Bei einer Schulbegehung sehen die Mitglieder des Immobilienausschusses nicht nur die Brandschäden, sondern auch, wie marode das Gebäude aus den 50er-Jahren ist. Es stellt sich die Frage, ob sich eine Sanierung noch lohnt oder ob ein Neubau die bessere Lösung ist.

In einem Bordell an der Eisenbahnstraße in Osnabrück wird eine 25-jährige Prostituierte tot aufgefunden . Keine 24 Stunden später nimmt die Polizei den mutmaßlichen Täter fest. Der 22 Jahre alte Mann aus Damme legt ein Geständnis ab.

In Belm steht eine junge Familie nach einem Wohnungsbrand vor dem Nichts . Vermutlich hat das Kabel des Kühlschranks Feuer gefangen und so den Brand in der Küche ausgelöst. Durch die große Hitze und das Löschwasser wird die Wohnung unbewohnbar. Die Familie mit vier Kindern muss zunächst in einer Notunterkunft leben.

Die Sanierung des Ortskerns in Bissendorf kommt einen weiteren Schritt voran: Verteter der Gemeinde legen den Grundstein für das neue Rathaus .

In Wallenhorst sorgen einige Bauprojekte weiterhin für Ärger. Der Arbeitskreis Dorferneuerung beschwert sich, dass er nicht über die Neugestaltung des sogenannten Andachtsplatzes im Zentrum von Rulle informiert wurde und seine Vorschläge nicht berücksichtigt wurden. So sind die „Predigerlinden“ abgeholzt worden, und ein historisches Kruzifix ist in einem Container für Bauschutt entsorgt worden.

Die Planungen für das Töwerland-Gelände im Zentrum Wallenhorsts beginnen von vorn. Der Rat beendet die Zusammenarbeit mit dem Bohmter Investor P+S und will zusammen mit der Verwaltung die Suchkriterien für einen neuen Investor neu festlegen.

Georgsmarienhütte feiert das erste Holi-Farbrausch-Festivall . Dabei bewerfen sich die 3200 Besucher gegenseitig mit Farbbeuteln und verwandeln die Wiese im Ortsteil Oesede in ein farbenfrohes Schlachtfeld. Für die richtige Stimmung sorgen die DJs aus der Elektro-Szene.

Persönliches in Kürze:

Burghard Krause , Landessuperintendent des Sprengels Osnabrück, wird nach sieben Jahren verabschiedet.

Helmut Eicker , Vorstandschef der Teutoburger Energie-Netzwerk (Ten), geht nach knapp 40 Jahren in der Energiewirtschaft in den Ruhestand.