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NOZ-Monatsrückblick Stürme, Karneval und ein neues Busnetz – der Februar 2020 in Osnabrück

Von Frank Riehemann | 29.02.2020, 16:39 Uhr

Der Februar 2020 wird als stürmischer Monat in Erinnerung bleiben. Zahlreiche Sturmtiefs, karnevalistische Rathausstürme und heftige Kritik am neuen Busnetz sorgten für viel Wind. Mehr zu diesen und anderen Themen in unserem Monatsrückblick für die Region Osnabrück.

An drei Sonntagen hintereinander halten Sturmtiefs Feuerwehren, Rettungskräfte und die Bevölkerung in Atem. Zuerst fegt Sturm „Sabine“ mit Orkanböen, schweren Gewittern und starken Niederschlägen über die Region. Am FMO wird der Flugverkehr beeinträchtigt und die Bahn stellt ihren Nah- und Fernverkehr komplett ein. Am folgenden Tag fällt in Stadt und Landkreis die Schule aus. Trotz zahlreicher umgestürzter Bäume bleiben die Auswirkungen aber geringer als zunächst befürchtet. Eine Woche später sorgt Sturmtief „Victoria“ für rund 100 Einsätze der Feuerwehr innerhalb von zwei Stunden.

Kaum sind die Schäden beseitigt, zieht Sturm „Xanthippe“ auf und stellt die Karnevalisten vor die Frage, ob die Karnevalsumzüge stattfinden können oder nicht.

In Osnabrück haben die Narren Glück. Der Umzug am Ossensamstag kann wie geplant stattfinden. Bis zum späten Nachmittag bleibt es trocken und die rund 20.000 meist bunt kostümierten Besucher entlang der Route feiern die 1.500 Karnevalisten, die auf den 75 Wagen oder zu Fuß durch die Stadt ziehen. Der Bürgerausschuss Osnabrücker Karneval (BOK) spricht von einer rundum gelungenen Veranstaltung und auch die Polizei zieht ein positives Fazit.

Einen Tag später spielt das Wetter nicht mehr mit. In Belm trotzen 500 Besucher Regen und Wind und feiern den 5. Halteraner Karnevalsumzug. Enttäuschung herrscht dagegen in Georgsmarienhütte. Aus Sicherheitsgründen wird der Umzug am Hüttensonntag kurz vor dem Start wegen der stärker werdenden Sturmböen abgesagt. Den Rathaussturm der Narren kann aber auch ein echter Sturm nicht verhindern. Mit Rammbock und Konfettikanone erobern die großen und kleinen Karnevalisten das Rathaus und nehmen Bürgermeisterin Dagmar Bahlo die Rathausschlüssel ab.

Am Rosenmontag herrscht zwar auch kein Traumwetter, aber die Narren in Glandorf und Lotte lassen sich durch Regen, Wind und Temperaturen nur wenige Grad über Null nicht vom Feiern abhalten. Für die Lotteraner ist es allerdings der letzte Rosenmontagsumzug. Nach 20 Jahren hören die Organisatoren des kleinsten Umzugs in Westfalen auf. Ein Grund ist das seit einigen Jahren abnehmende Interesse der Bevölkerung.

Nicht nur der Wind bringt im Februar einiges durcheinander. Anfang des Monats tritt der große Linien- und Fahrplanwechsel der Stadtwerke in Kraft. Buskunden müssen sich an neue Linien, Haltestellen und Abfahrtszeiten gewöhnen. Dafür verbessern sich die Busverbindungen durch die neue Ringlinie und die Metrobuslinien, die ohne große Umwege schnell in die City fahren. Das neue System sorgt aber auch für Kritik. So fühlen sich die Einwohner von Atter von der Innenstadt abgehängt. Besonders groß ist der Ärger über die Veränderungen bei der Schülerbeförderung. Eltern und Schulleiter protestieren gegen die verschlechterte Busanbindung der Schulen, die Streichung oder Verkürzung der Schulbusfahrten, gegen überfüllte Busse und längere Fahrtzeiten. Die Stadtwerke suchen daraufhin das Gespräch mit Eltern und Schulen und nehmen Ergänzungen an den Fahrplänen vor. Insgesamt ziehen die Verkehrsbetriebe nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen Liniennetz aber eine positive Bilanz.

Auch die Osnabrücker Mahlzeit steht vor großen Veränderungen. In diesem Jahr findet das Grünkohlessen noch einmal als reine Männerveranstaltung statt. Der neue Grünkohlkönig John McGurk lässt sich von seinen 1.300 männlichen Untertanen feiern und ruft zu Menschlichkeit, Zuwendung und Hilfsbereitschaft auf.

Nach der heftigen Kritik der Grünen im Vorjahr an der exklusiven Männerrunde gibt es im nächsten Jahr einige Veränderungen. Das Männertreffen mit der Kür eines Grünkohlkönigs aus der Region wird es auch weiterhin geben, es soll aber einen neuen Namen erhalten, „Männerstammtisch“ oder „Grünkohlmahlzeit“. Zusätzlich wird eine neue „Osnabrücker Mahlzeit“ stattfinden, als gemeinsames Mahl von Männern und Frauen mit einem prominentem überregionalen Gast.

Nachdem im Januar 2020 bereits der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt dem Bau der 620 Meter langen Nordspange auf dem Westerberg zugestimmt hat, stimmt auch der Stadtrat für die neue Straße, die den Wohn- und Wissenschaftspark von Norden erschließen soll. Auch die zwei Dutzend Demonstranten vor dem Rathaus konnten die Ratsmitglieder nicht mehr umstimmen. CDU/BOB, SPD und UWG sind von der Notwendigkeit der Straße überzeugt, während Grüne, FDP, Linke und Piraten für ein Umdenken oder einen Aufschub plädieren.

Für Wirbel sorgt ein Radfahrer, der auf dem Berliner Platz einen LKW blockiert, der verbotswidrig von der Wittekindstraße nach rechts auf den Erich-Maria-Remarque-Ring abbiegen will. Hinter dem LKW staut sich der Verkehr, ein Bus kommt nicht mehr weiter und Fußgänger können die Kreuzung nicht überqueren. Nach ein paar Minuten und mehreren Grünphasen gibt der LKW-Fahrer auf und fährt Richtung Neumarkt weiter.

Ende des Monats schließt der Real-Markt an der Carl-Fischer-Straße seine Pforten. 98 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Was mit dem 1997 errichteten Gebäude passiert und ob die kleinen Einzelhandelsgeschäfte ohne großen Ankermieter bestehen bleiben, ist noch offen.

Rund um Osnabrück

Dissen hat endlich einen neuen Bürgermeister - und diesmal verläuft die Bürgermeisterwahl korrekt und das Ergebnis ist eindeutig. Eugen Görlitz setzt sich im zweiten Anlauf mit 53,9 Prozent der Wählerstimmen gegen Ulrich Meyer zu Drewer durch. Auf Görlitz entfallen 2179 der 4043 gültigen Stimmen, auf Meyer zu Drewer 1864. Bereits zwei Tage später tritt der 38-Jährige sein neues Amt an. Die erste Wahl vom 26. Mai 2019 war vom Verwaltungsgericht Osnabrück wegen der Wahlbeeinflussung durch eine Wahlhelferin für ungültig erklärt worden. Damals hatte Görlitz nur 28 Stimmen Vorsprung vor Meyer zu Drewer.

Einen Erfolg kann auch die neue Osnabrücker Landrätin Anna Kebschull verbuchen. Die Nordwestbahn hatte Kebschull aus einem Zug verwiesen, weil sie ihr S-Pedelec mit in die Bahn genommen hatte , was nach den Beförderungsbedingungen der Bahn nicht erlaubt ist. Nach der Kritik der Landrätin lenkt das niedersächsische Verkehrsministerium ein und will versicherungspflichtige Fahrräder in Zügen erlauben.

Die traurigen Nachrichten aus der weiteren Umgebung Osnabrücks reißen nicht ab. Nach einer Explosion und mehreren Tötungsdelikten im benachbarten Westfalen im Januar 2020, kommt es jetzt zu einem tragischen Unglück in Lienen. Bewohner eines Wohn- und Geschäftshauses rufen die Feuerwehr, weil sie in dem Gebäude Gasgeruch wahrgenommen hatten. Während die Feuerwehrleute nach der Ursache suchen, explodiert das Gebäude. Unter den Trümmern stirbt ein 19-jähriger Feuerwehrmann. Ein anderer Feuerwehrmann kommt schwer verletzt ins Krankenhaus, weitere werden verletzt. Die Ermittler entdecken im Keller des Hauses eine Gasflasche und eine Kerze. Alles deutet darauf hin, dass die Explosion vorsätzlich herbeigeführt wurde. Nun ermittelt eine 16-köpfige Mordkommission.