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Nostalgische Stimmung Konzert im Felix-Nussbaum-Haus

Von Jan Kampmeier | 19.09.2011, 04:35 Uhr

Eine „künstlerische Zeitreise“ versprach die Ankündigung für das Konzert von Roswitha Dasch und Ulrich Raue, doch das trifft es nicht wirklich. Die beiden Künstler präsentierten Chansons des Komponisten Mischa Spoliansky, Werke der 20er- und 30er-Jahre aus Berlin. Doch die Kopie einer Revue jener Zeit strebten die beiden wohl kaum an. Man kann ohnehin die Texte und Melodien von damals heute nicht mehr genauso aufnehmen wie das zeitgenössische Publikum, genauso wenig übrigens wie jede beliebige klassische Symphonie. Und so war der Abend im Felix-Nussbaum-Haus weniger eine Zeitreise als ein Abend mit überaus nostalgischer Stimmung.

Die Texte der Chansons haben oft einen besonderen Wortwitz. So beginnt der Titel „Es liegt in der Luft“ mit den Zeilen: „Früher waren Zeiten! Dieser Satz ist nicht zu bestreiten.“ Roswitha Dasch und Ulrich Raue agierten als sehr gegensätzliches Paar. Er hauptsächlich am Flügel, zuweilen auch als Sänger sehr seriös in schwarzem Anzug mit Weste, sie als Sängerin, die auch mal zur Geige greift, absolut überkandidelt, Stimmungen bis zur Karikatur überzeichnend. So steigt sie zum Beispiel bei einem Titel, der kleptomanische Züge beschreibt, von der Bühne und versucht einer Frau den Ehemann zu stehlen. Völlig schamlos singt sie ihn an und geht sogar auf die Knie.

Berlin, so heißt es im Programm, sei damals am Revuefieber erkrankt. Diese Stimmung kann man im sehr nüchternen Saal unter dem Kulturhistorischen Museum kaum nachempfinden, die Atmosphäre eines Museums mit Exponaten der Vergangenheit bleibt. Dabei bekommt man es mit bald zeitkritischen, bald leicht frivolen Texten zu tun – und dann wieder mit solchen, die einfach nur Lust am sinnlosen Blödsinn haben. Der Aussagewert des Textes in „Wenn die beste Freundin mit der besten Freundin“ dürfte minimal sein. Doch Roswitha Dasch präsentiert ihn mit Augenzwinkern und hält dazu als beste Freundin eine Barbiepuppe in den Händen.

Das Programm zeichnet nebenbei auch das Leben des Komponisten Mischa Spoliansky nach. Man erfährt von seinen Erfolgen in den 20er- und 30er-Jahren, von der Flucht aus Deutschland 1933, seiner Arbeit für den Film in England und seiner Rückkehr nach Deutschland 1957. Noch 1977 ist er als Pianist aufgetreten – mit eben den Chansons, die Roswitha Dasch und Ulrich Raue heute mit bemerkenswertem Einsatz und offenbar viel Freude vor dem Vergessen bewahren.