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Nikolausmützen und Hexenhüte Was ist das Osnabrücker Weihnachtsmarkt-Gimmick 2015?

Von Hendrik Steinkuhl | 20.12.2015, 15:43 Uhr

 Der Osnabrücker Weihnachtsmarkt lockt viele Besucher, die in großen Gruppen anreisen und nicht selten die gleichen originellen Kopfbedeckungen tragen. Wir haben uns am letzten Adventssamstag 2015 dort umgeschaut und gefragt: Wo kommen Sie her, wie gefällt es Ihnen hier – und was haben Sie da eigentlich auf?

Soll es eine Art roter Hexenhut mit drapiertem Lametta sein, den die vier Frauen da tragen? So richtig kann man die Kopfbedeckung nicht einordnen, eines steht nur fest: Den Damen gefallen sie.

Unbezahlbarer Spaß

„Die wollten uns auch schon viele Leute abkaufen, aber solche Hüte sind ja im Prinzip unbezahlbar“, sagt Ina Berlinecke. Sie und ihre drei Freundinnen sind heute aus Hannover nach Osnabrück gekommen. „Seit 2001 probieren wir alle Weihnachtsmärkte aus, die man mit dem Niedersachsenticket erreichen kann.“ Lüneburg, Celle, Braunschweig, Goslar und so weiter – wenn sich jemand kompetent über die Qualität des Osnabrücker Weihnachtsmarktes äußern kann, dann sind es diese Damen. 

„Die Buden sind nett, es gibt viele alte Gebäude – eigentlich alles super hier“, sagt Ina Berlinecke. Aber woher kennen sich die Damen eigentlich? „Aus der Kindergartenzeit unserer Söhne und Töchter.“ (Weiterlesen: Osnabrücker Weihnachtsmarkt-Tasse 2015 fast vergriffen) 

Für 95 Cent gekauft

Die nächste Damengruppe, die wir von der weiteren Glühweinaufnahme abhalten, besteht aus einem halben Dutzend bestens gelaunter Emsländerinnen. „Wir kommen aus Lingen, unsere Freundin studiert hier, und bei der schlafen wir nachher alle“, sagt Lisa Wintering – übrigens die einzige Nicht-Blondine in der Gruppe. 

Freundin Celia, die ihren Nachnamen nicht nennen will, aber zugeben muss, dass sie in Osnabrück Deutsch und Religion auf Grundschullehramt studiert, hat ihre Freundinnen mit der feschen kleinen Nikolausmütze ausgestattet, die in diesem Jahr die wohl begehrteste Kopfbedeckung bei Damengruppen auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt ist. „Die gab es für 95 Cent bei Nanu-Nana.“ Und wie schneidet der Osnabrücker Weihnachtsmarkt im Vergleich mit dem Lingener ab? „Osnabrück ist viel besser“, sagt Lisa Wintering. „Hier gibt es Feuerzangenbowle, man kann an den Buden auch Weihnachtsgeschenke kaufen, und die Altstadt ist total schön beleuchtet.“ (Weiterlesen: Die außergewöhnlichen Getränke des Osnabrücker Weihnachtsmarktes 2015) 

Lustige Holländer

Mit den klassischen Nikolausmützen (wobei der echte Nikolaus natürlich eine Mitra trug) ist eine deutsch-niederländische Gruppe mit Eltern und Kindern ausgestattet. „Wir haben uns vor einigen Jahren beim Urlaub in Tunesien kennengelernt“, sagt Claudia Harvey aus Georgsmarienhütte. „Seitdem besuchen uns unsere holländischen Freunde jedes Jahr, und wir gehen auf den Weihnachtsmarkt.“

Und was gefällt den holländischen Freunden besonders am Osnabrücker Weihnachtmarkt? „Nix“, sagen drei von ihnen, unabgesprochen und fast im Chor – und alles lacht. „Zu viele Leute, vor allem zu viele Deutsche“, sagt Johan, der Größte und Lustigste der Gruppe, und dann lachen wieder alle. Um Missverständnissen vorzubeugen: Das war natürlich alles Ironie. 

Blaues Licht

Die vielleicht auffälligste Kopfbedeckung des Abends trägt Klemens Hesselfeld aus Lutten im Landkreis Vechta. Sein Haupthaar ziert ebenfalls eine kleine Nikolausmütze. Die ist allerdings blau beleuchtet und über den halben Weihnachtsmarkt zu sehen. Seine Partnerin Elisabeth Hess (aus Oythe) trägt dagegen eine normale Nikolausmütze, „und da musste er doch auch etwas auf dem Kopf tragen“, sagt Melanie Borchers, die das Paar begleitet. Für fast fünf Euro kaufte ihm also die Gruppe, zu der auch noch Alfons Wobbeler gehört, das Accessoire, das mit einer schmucken Spange befestigt ist. 

Und woher kennen sich die vier? „Wir waren einige Jahre eine Fahrgemeinschaft, wir haben alle in der Bundeswehr-Kaserne in Diepholz gearbeitet.“ Nach Osnabrück kommt die Gruppe in den ungeraden Jahren, in den geraden fährt sie auf den Weihnachtsmarkt nach Bremen. Welcher Markt besser ist, vermögen sie nicht zu sagen – aber immerhin, was sie am Osnabrücker Weihnachtsmarkt besonders schätzen: „Den Eierpunsch.“  (Weiterlesen: Warum gibt es auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt kein Bier?) 

Hund im Rucksack

Doch egal ob Nikolausmütze, beleuchtete Nikolausmütze oder Hexenhut: Für das meiste Aufsehen an diesem Abend sorgte Student Moritz, gebürtig aus Duisburg, der seine eineinhalbjährige Hundedame Agathe im Rucksack über den Weihnachtsmarkt transportierte. Der Parson-Russell-Terrier, der Struppi aus „Tim und Struppi“ sehr ähnelt, wollte erst nicht so recht verpackt werden, fühlte sich dann aber anscheinend pudelwohl. 

Nach einer Runde über den Weihnachtsmarkt wurde Agathe aber auch wieder freigelassen.