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Nicht so toll wie gehofft: der zweite „Wickie“-Film „Wickie auf großer Fahrt (3-D)“

Von Frank Jürgens | 30.09.2011, 14:17 Uhr

Vor drei Jahren erweckte Michael „Bully“ Herbig die furchtlosen Wikinger um den ängstlichen Wickie per TV-Casting zu realem Leben auf der Leinwand. Jetzt folgt Regisseur Christian Ditter dem liebevoll umgesetzten Erstling mit einer Fortsetzung. Und stolpert dabei in etwas zu große Fußspuren.

Die Eingangssequenz bringt es an den Tag. Als der ängstliche Wickie (Jonas Hämmerle) aus dem Schiff hopst, um mit den harten Kerlen von Flake mal wieder plündern zu gehen, landet er direkt in Papas Fußspur. Die ist freilich viel zu groß. Macht nichts. Schließlich ist sein Papa Halvar (Waldemar Kobus) auch Häuptling, und Wickie muss halt noch etwas wachsen. Trotzdem will Halvar seinen Nachwuchs auf Biegen und Brechen endlich zu einem echten Wikinger erziehen und schickt den Kleinen alleine los, um einen Haufen Ritter auszurauben. Die schlafen zwar alle, aber trotzdem kann das nicht gut gehen. So dauert es auch nicht lange, und das „Mädchen“ gerät erst einmal in Gefangenschaft.

Die ist natürlich nur von kurzer Dauer. Doch bald darauf gerät Halvar in die gierigen Hände des schrecklichen Sven (Günther Kaufmann). Wie es das Dorfrecht nun einmal so will, soll ausgerechnet Wickie in die Fußstapfen seines übermächtigen Vaters treten. Blitzgescheit, aber völlig unerfahren sorgt Wickie schon beim Ablegen des Schiffes auf dem Weg zur Befreiung Halvars für eine mittlere Havarie. Aber auf dem holperigen Seeweg zur Befreiung des Vaters und Bergung eines Schatzes wächst Wickie allmählich über sich hinaus und beweist erneut, dass der Denkmuskel der wichtigste von allen ist.

Christian Ditters (Drehbuch und Regie) Fortsetzung verliert sich leider ein wenig in den übergroßen Fußspuren des ersten „Wickie“-Kinoabenteuers von Michael „Bully“ Herbig. Zwar können Tricktechnik und 3-D-Effekte zu weiten Teilen überzeugen. Aber die Dramaturgie der vorhersehbaren, mit allerlei Fantasy-Elementen gespickten Handlung erscheint mitunter recht holperig. Mal werden Handlungsdetails liebevoll und mit viel Witz ausgearbeitet. Dann geht es wieder ziemlich holterdiepolter vorbei an halb nackten Walküren durch eine „Schlucht des Odin“ zum „Schatz der Götter“ im „Palast des ewigen Eises“, wo auch noch Thors mächtiger Hammer hängt. Das Ganze nimmt mitunter nicht nur bewusst groteske Züge an, sondern verliert sich hin und wieder in eine Art Nummernrevue, in der die Protagonisten auch schon mal den Schlager „Ein bisschen Frieden“ verballhornen dürfen.

Dass die von den altbekannten Darstellern gespielten Figuren allesamt grob überzeichnet erscheinen, mag dabei den Comic- und Trickfilmvorlagen nach den Büchern des schwedischen Schriftstellers Runer Jonsson geschuldet sein. Aber auch wenn sich Humor und Spannung unter dem Strich auf putzige Art und Weise die Klinke in die Hand geben – kindgerecht ist dieses „Wickie“-Abenteuer nicht immer. Zumindest die kleinsten Zuschauer dürften durch einige Furcht einflößende Sequenzen arg überfordert sein. Die FSK-Freigabe „ohne Altersbeschränkung“ erscheint hier etwas gewagt.

„Wickie auf großer Fahrt“.D 2011. R: Christian Ditter.D: Jonas Hämmerle, Valeria Eisenbart, Waldemar Kobus, Günther Kaufmann. Laufzeit: 96 Minuten. Ohne Altersbeschränkung. Cinema Arthouse (3-D), Cinestar (3-D, auch 2-D), Filmpassage, Kurlichtspiele Bad Rothenfelde.