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Konzert der Neue Hofkapelle Sechs „Brandenburgische“ auf einen Streich

Von Jan Kampmeier | 04.07.2022, 10:45 Uhr

Alle sechs Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach an einem Abend spielte die Neue Hofkapelle Osnabrück am Wochenende in der Schlossaula.

 Hille Perl, mit ihrer Bekanntheit eigentlich sicher der Star des Abends, spielt nur in einem einzigen der sechs Brandenburgischen Konzerte mit, und auch hier keine Solostimme und nur in zwei Sätzen. Das wunderbare Adagio bestreiten die Violen, Cello und Cembalo allein, die Gamben schweigen, und in den anderen Konzerten ist nun mal keine Gambe besetzt. Hille Perl hat zwar außerdem die Leitung, doch bei der Neuen Hofkapelle steht ja niemand vorne und dirigiert, sie ist also nicht auf der Bühne. Beachtlich, dass sie diese Aufgabe dennoch übernommen hat, es gibt offenbar gute Kontakte.

Große Besetzung

Alle sechs Brandenburgischen Konzerte Bachs stehen auf dem Programm. Ist das nicht etwas viel? Kann man natürlich so sehen, die Wahrnehmungen sind ja verschieden. Andererseits kann, was die reine Spieldauer angeht, eine einzige Oper gut und gerne doppelt so lange dauern, besonders, wenn ihr Komponist Richard Wagner heißt. Und vermutlich gab es nie zuvor ein Konzert der Neuen Hofkapelle mit so großer Besetzung und so vielen Solisten, denn jedes Konzert verlangt andere Instrumente. 26 Musiker sind insgesamt beteiligt, zwischen sechs und 20 sind bei den einzelnen Konzerten auf der Bühne.

Mal innig, mal beschwingt

Ursprünglich wollte die Neue Hofkapelle mal vorrangig unbekanntere Komponisten spielen, nun stehen Werke von Johann Sebastian Bach auf dem Programm, die zu den berühmtesten der Barockzeit gehören. Besonders die ruhigen Sätze werden oft sehr innig gespielt. Das dritte Konzert, das ohne Solisten nur für die Streicher geschrieben ist, kommt dagegen besonders beschwingt und sehr stimmig daher und erhält stärkeren Beifall als etwa das erste Konzert, bei dem gleich drei Oboen, zwei Hörner und Fagott besetzt sind.

Doch auch den Solisten gelingen die Konzerte bemerkenswert gut. Einige von ihnen sind extra engagiert, viele gehören aber auch zur Stammbesetzung. Das auffälligste Solo neben der unanständig hohen Trompetenstimme im Konzert Nr. 2 hat etwa der Cembalist der Hofkapelle, und Fritz Siebert brilliert mit der virtuosen Partie im Konzert Nr. 5, ebenso eindrucksvoll flankiert von Danylo Gertsev an der Violine und der sehr sanften Traversflöte von Sophia Kind, einer der „Externen“. Im vierten Konzert wiederum bilden die Blockflöten von Barbara Heindlmeier und Christian Heim ein wunderbar harmonisches Duo.

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