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Nest im Lüftungsrohr Alte Fabrik Hagedorn in Osnabrück von Turmfalken bewohnt

Von Rainer Lahmann-Lammert | 23.06.2016, 08:37 Uhr

Turmfalken brüten nicht nur in Kirchtürmen. Auch in der Hagedornschen Fabrik an der Lotter Straße hat sich in diesem Jahr ein Brutpärchen niedergelassen. Als Horst dient ein ausgedientes Lüftungsrohr an der Südseite.

Peter Szczekalla wohnt in einem der Neubauten am alten Busdepot. Anfang Mai fiel ihm das junge Pärchen auf, das sich ganz ohne zu fragen in dem leer stehenden Industriegebäude gegenüber einquartiert hatte. Dass es sich um Turmfalken handelte, war dem Juristen spätestens beim Blick in ein Bestimmungsbuch klar, das er sich eigens zur Identifizierung der kühnen Flieger anschaffte.

Nachwuchs ist schon flügge

Inzwischen hat das Falkenpärchen Nachwuchs bekommen. Sechs Jungvögel sind in den vergangenen Wochen geschlüpft. Sie haben die Schnäbel aufgesperrt, wenn ihre treu sorgenden Eltern Mäuse oder Kleintiere herbeischleppten. Jetzt erkundet der Nachwuchs schon den Luftraum und lässt sich nur noch sporadisch im Nest blicken. Am Freitag hat Peter Szczekalla das Foto geschossen, das fünf der jungen Greifvögel erkennen lässt.

Für die Falken ist es ein Glücksfall, dass die Arbeiten in der fast 120 Jahre alten Celluloidfabrik ruhen. Loftwohnungen und Gewerbe will der Baukonzern Hochtief dort unterbringen, aber bislang gibt es noch keine Baugenehmigung. Bei Altbauten sei ein hoher Aufwand erforderlich, um die Statik- und Brandschutzauflagen zu erfüllen, sagt Unternehmenssprecherin Gabriele Stegers. Demnächst solle aber mit dem Umbau des Fabrikgebäudes begonnen werden.

Standort für Nistkästen

Dann wird es kein offenes Lüftungsrohr mehr geben, in dem sich die Falken einnisten können. Peter Szczekalla findet es schade, dass die rasanten Flieger ihr gerade erst entdecktes Domizil wohl bald wieder aufgeben müssen. Dass sie sich überhaupt in der Stadt angesiedelt haben, erklärt Friedhelm Scheel vom Naturschutzbund (NABU) mit der Intensivlandwirtschaft. In der „Agrarwüste“ könnten viele Arten nicht mehr überleben. Für viele biete sich die Stadt als vergleichsweise sicherer Lebensraum an.

Für die Turmfalken in der Hagedornschen Fabrik weiß Scheel schon eine Lösung: Nisthilfen im Umfeld würden sie mit etwas Glück an den Standort binden. Für die 30 mal 30 mal 30 cm großen Kästen will der NABU wohl sorgen. Vielleicht bleiben die Falken dem alten Depot ja treu.