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Name aus dem Mittelalter Ein Erdtmann baute das Osnabrücker Rathaus

Von Winfried Breidbach, Winfried Breidbach | 26.06.2016, 13:33 Uhr

Neue-OZ-Leser Thomas Erdtmann aus Osnabrück fragt nach Herkunft und Bedeutung seines Familiennamens. Mit über 800 Namensträgern ist Erdtmann ein recht häufiger Nachname.

Mehr als 60 Prozent der Familien namens Erdtmann leben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, das stärkste Nest liegt aber in Berlin. Erdtmann ist klar als Schreibvariante des sehr häufigen Familiennamens Erdmann zu erkennen, der mit 25000 Namensträgern etwa Platz 280 der deutschen Häufigkeitsrangliste belegt. Die weiteren Schreibweisen Ertman(n), Ehrtmann, Eertman(n), Erdman sowie in den Niederlanden noch Erdtman und Eerdman sind dagegen recht selten.

Unterirdische Geister

Man könnte daran denken, dass der Familienname auf einen früheren Begriff „Erdmann“ zurückgeht. Ein solches Wort ist aber nicht bezeugt, obwohl die Verkleinerungsform Erdmännchen seit Jahrhunderten nachzuweisen ist. Als „Erdmännchen“ wurden unterirdische Geister, Wichtelmännchen oder auch die als Zaubermittel verwendete Alraune (Mandragora officinarum) bezeichnet. Die aus Südafrika stammenden Säugetiere namens Erdmännchen wurden in Europa erst in der Neuzeit bekannt.

Der Nachname Erdmann geht eindeutig auf den gleichlautenden Rufnamen zurück. Dieser ist zwar bereits im 8. Jahrhundert in der Schreibung Ertman belegt, wurde aber, wie es scheint, erst im späten Mittelalter beliebt. Erdmann gehörte als Koseform zu den altdeutschen Rufnamen mit einem ersten Namenwort Erd- „Erde“ (wie Ertmar, Erdolf, Erdwin). Insbesondere Ertmar war ein populärer Name, der im niederdeutschen Gebiet vielfach bezeugt ist, so durch 1139 „Ertmarus“ (Münster), 1150 „Ertmar“ (Osnabrück), 1303 „Ertmarus Anklem“ (Stralsund).

Adam heißt „aus Erde“

Der auf den Rufnamen zurückgehende Familienname Erdmann ist in Osnabrück durch Ertwin Ertman (1430 – 1505) bekannt, der fast 30 Jahre Erster Bürgermeister war und der den Bau des Rathauses betrieb.

Der Rufname Erdmann hatte in der frühen Neuzeit an Popularität verloren. Er wurde seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts neu belebt. In pietistischen protestantischen Kreisen wurden etliche fremdsprachige Namen übersetzt und als „fromme“ Vornamen verwendet. So wurden aus Thimotheus „Fürchtegott“ und aus Amadeus „Gottlieb“. Der hebräische Name Adam bedeutet „aus Erde“, dazu wurde der Rufname „Erdmann“ neu gebildet. Der Familienname Erdmann und seine Varianten gehen nicht hierauf, sondern auf den altdeutschen Rufnamen zurück.

Älteste Belege: 1343 „Lemmeke Erdman“ (Barth/Vorpommern), 1381 „Peter Ertman“ (Linderode).