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Nächste Auflage am Donnerstag Was steckt hinter dem Osnabrücker Bierdiplom?

Von Christian Lang, Christian Lang | 04.04.2017, 12:02 Uhr

Mit Gerstensaft zum Doktor? Beim Osnabrücker Bierdiplom ist dies möglich. Am Donnerstag steht die nächste Runde der beliebten Veranstaltung an. Der Organisator rechnet mit mehr als 1000 Teilnehmern. Im Mai kommt das Event auch nach Lingen und Bremen. Was hat es mit der Veranstaltung auf sich?

Am Donnerstagabend wird es voll in den Osnabrücker Kneipen: Dann gibt es eine weitere Auflage des Bierdiploms. Seit nunmehr sieben Jahren gibt es die Veranstaltung, die von Daniel Klusmann organisiert wird. Die Idee für das Bierdiplom kam ihm bei seinem Auslandssemester 2009 in Finnland, wo ein derartiges Konzept schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil der dortigen Kneipenkultur ist. Deutschlandweit sei er dann der erste gewesen, der so eine Veranstaltung auf die Beine gestellt habe, sagt der Organisator. Mittlerweile gebe es aber einige „Nachahmer“. In Münster und Trier werden ähnliche Veranstaltungen angeboten.

Wie funktioniert das Bierdiplom?

Bei der Veranstaltung können die Teilnehmer einen von mehreren akademischen Graden erreichen: Diplom, Diplom mit Auszeichnung, Doktor, Habilitation, Ehrendoktor. Welchen Titel sie erhalten, richtet sich nach der Anzahl der Getränke, die sie in einer bestimmten Zeit konsumieren.

Die meisten Teilnehmer würden sich mit dem Doktor (14 Getränke in 6 Stunden) zufriedengeben und keinen höheren Abschluss anstreben, sagt Klusmann. Es gebe nur wenige, die eine Habilitation (15 Getränke in 6 Stunden) oder einen Ehrendoktor (12 Getränke – dabei 6 Bier und 6 Shots – in 5 Stunden) machen.

Wem Bier nicht schmeckt, der kann zu anderen Getränken greifen – auch zu alkoholfreien. Zum Schluss müssen sich die Teilnehmer noch eine Abschlussprüfung ausdenken und diese dann vor einer Jury ablegen. Dafür werden sie benotet. Alle paar Monate findet das Bierdiplom in Osnabrück statt. Zwei Mal im Jahr ist sie auf Altstadt-Kneipen beschränkt, in den anderen Fällen – wie am Donnerstag – machen auch Gaststätten außerhalb der Altstadt mit.

Kein „Koma-Saufen“

Der Alkoholkonsum sollte nach Auskunft des 32-jährigen Organisators nicht im Vordergrund stehen. Er wehrt sich gegen den möglichen Einwand, dass dadurch übermäßiger Alkoholkonsum gefördert oder gar glorifiziert werde. „Die Veranstaltungen sollen nicht zum Koma-Saufen ausarten. Bisher musste noch nie ein Krankenwagen gerufen werden“, sagt Klusmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Zudem lobt er die Zusammenarbeit mit Stadt und Polizei, die das Konzept ebenfalls mittragen würden.

Das Ziel hinter dem Bierdiplom sei in erster Linie, dass die Teilnehmer die Osnabrücker Kneipenszene kennenlernen, sagt der Organisator. Es gebe verschiedene Lokale, die vor allem bei Studenten nicht so bekannt seien. Durch das Bierdiplom erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, Gaststätten aufzusuchen, in die sie sonst möglicherweise nicht gegangen wären. Pro Kneipe darf nur ein Getränk konsumiert werden, das für den Abschluss zählt.

Bald auch in Lingen und Bremen

Für Donnerstagabend rechnet Klusmann mit über 1000 Teilnehmern. Nach einem holprigen Beginn sei das Konzept in den vergangenen Jahren immer besser angenommen worden, sagt er. Mit der Resonanz ist er so zufrieden, dass er die Veranstaltung bald auch in weiteren Städten anbieten wird. Außer in Osnabrück organisiert er derzeit schon Bierdiplome in Rheine. Im Mai wird das Konzept auf Oldenburg, Bielefeld und Lingen ausgeweitet – allerdings mit einem kleinen Unterschied. In den drei Städten wird die Veranstaltung nicht mehr Diplom, sondern Bachelor genannt – das Konzept solle dadurch ein wenig verjüngt werden, so Klusmann.

In all den Jahren ist ihm besonders ein Erlebnis in Erinnerung geblieben, sagt er. Dieses zeigt auch, dass sich die Veranstaltung nicht nur an Studenten richtet. Eine 79-Jährige habe vor einiger Zeit stolz ihr Bierdiplom abgelegt – die Karten dazu hatte sie von ihren Enkeln zu Weihnachten geschenkt bekommen.