Ein Artikel der Redaktion

Nach Gespräch im Rathaus Investor versichert: Neumarkt-Center wird kommen

Von Wilfried Hinrichs | 09.01.2017, 19:00 Uhr

Steht das Neumarkt-Einkaufscenter auf der Kippe? Ganz und gar nicht, versichert Ulrich Wölfer, Deutschland-Chef von Investor Unibail Rodamco. Die Realisierungswahrscheinlichkeit taxiert er auf „deutlich über 90 Prozent“.

Wölfer traf sich in der vergangenen Woche mit Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, um über den Stand der Projektentwicklung zu sprechen. Wölfer äußerte sein Verständnis für die Sorgen und Befürchtungen, die in Osnabrück angesichts der stockenden Entwicklung und des abschreckenden Zustands des Neumarktes wachsen. Auch Griesert hatte zuletzt in seiner Handgiftenrede deutlich gemacht, was er von seinen Gesprächspartnern bei Unibail Rodamco erwartet: „Dass sie ziemlich bald erklären, was sie wann vorhaben.“

Was wird aus SinnLeffers?

Griesert hatte in einem Gespräch mit unserer Redaktion die Center-Wahrscheinlichkeit mit „klar über 50 Prozent“ eingestuft. Ulrich Wölfer geht in seiner Aussage sehr viel weiter: „Deutlich über 90 Prozent“, versichert der Unibail Rodamco-Manager. Sein Team arbeite weiter hart und intensiv an dem Projekt. „Wir sind nach wir vor von dem Standort überzeugt“, so Wölfer, und werden „unser Bestes tun, in 2017 mit dem Bau zu beginnen“.

Weiterlesen: Interview mit Christian Wölfer – Neumarkt-Center: „Von Verschiebung um ein Jahr kann keine Rede sein“

Schwieriger Mietermarkt

Wölfer erörterte nach eigenen Angaben mit Griesert die aktuelle Lage auf dem Mietermarkt – die bekanntermaßen schwierig und „von Pleiten geprägt“ sei. Das betrifft auch den einzigen bisher öffentlich bekannten Ankermieter im geplanten Center, das Modehaus SinnLeffers, das von der Johannisstraße ins Neumarkt-Center umziehen will.

Das Traditionshaus aus Hagen stellte im September 2016 Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. „Wir müssen sehen, was daraus wird“, sagt Wölfer. Die nächsten Schritte bei der Centerrealisierung hingen davon ab, wie SinnLeffers aus der Planinsolvenz herauskomme und sich aufstelle. Wölfer übt sich in professioneller Geduld: „Ein Teil des Jobs eines Projektentwicklers ist es zu warten.“

Mietervertrag unterschrieben

Es liegt nach Angaben beider Seiten ein unterschriebener Mietvertrag über 4800 Quadratmeter im geplanten Einkaufszentrum vor. SinnLeffers würde damit der größte Mieter im Bekleidungssegment. „Wir haben aber mehrere Optionen“, betont Wölfer. Sollte SinnLeffers sich anders entscheiden, werde sein Unternehmen andere Möglichkeiten vorantreiben. Wölfer: „Das ist wie eine Kettenreaktion: Kommt der, komme ich auch.“ Komme der eine Großmieter, zögen andere Mieter nach.

SinnLeffers bleibt auf jeden Fall bis 2019

Sicher ist: SinnLeffers bleibt vorerst in Osnabrück. Das Unternehmen hat den Mietvertrag für die inzwischen verkleinerte Fläche an der Johannisstraße bis in erste Quartal 2019 verlängert, wie Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Göbel unserer Redaktion bestätigte. Damit wäre in drei Jahren ein fast nahtloser Übergang des Modehauses von der Johannisstraße in das neue Einkaufszentrum möglich. Göbel geht weiter davon aus, dass das Neumarkt-Center im Herbst 2019 eröffnet wird. SinnLeffers ist in mehreren Centern von Unibail Rodamco als Hauptmieter vertreten, so im Centro in Oberhausen und im Ruhrpark in Bochum .

Die Insolvenz in Eigenverantwortung schützt das Modehaus vor dem Zugriff von Gläubigern und bietet die Chance, sich aus eigener Kraft zu restrukturieren. Göbel sagt: „In sechs bis acht Wochen können wir einen belastbaren Insolvenzplan vorlegen.“ Alles Weitere liege dann in der Hand des Insolvenzgerichts.

Für das Center-Projekt in Osnabrück bedeutet das: Im März wird Investor Unibail Rodamco wissen, ob mit SinnLeffers als Ankermieter weiter zu rechnen ist.

Mehr zum Neumarkt auf Ihrem Onlineportal

TEASER-FOTO: