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Nach Entscheidung in Greifswald Grüne fordern Namensänderung für das Osnabrücker EMA

Von Dietmar Kröger | 06.02.2017, 17:34 Uhr

Damit war zu rechnen: Nachdem die Uni in Osnabrücks Partnerstadt Greifswald sich von ihrem Namen Ernst-Moritz-Arndt getrennt hat, werden auch in Osnabrück Stimmen laut, die fordern, das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium möge ebenfalls eine Namensänderung anstreben.

„Nachdem die Universität unserer Partnerstadt Greifswald den ihr 1933 nach der Machtübernahme der Nazis verpassten Namen abgelegt hat, halten wir es auch in Osnabrück für angezeigt, eine Diskussion zu führen, ob Ernst Moritz Arndt als Namensgeber eines Gymnasiums noch vertretbar ist“, heißt es in einem Schreiben der Grünen-Fraktion an den Schulleiter Harmut Bruns und die Gesamtkonferenz des EMA. Gleichzeitig sprechen die Grünen an Schüler, Lehrer und Eltern der Schule die Einladung aus, mit ihnen über den Namen des Gymnasiums zu diskutieren. Und auch der kulturpolitische Sprecher der SPD, Heiko Schlatermund, möchte unter Federführung der Verwaltung in eine Namensdiskussion mit Vertretern der Schule einsteigen.

Bundesweite Diskussion

Der umstrittene Namenspatron lebte von 1769 bis 1860. Der politische Publizist, Lyriker und Historiker war Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche. Freiheitskämpfer und Patriot, als solcher aber auch Franzosen- und Judenhasser – Arndt liefert reichlich Stoff zur Diskussion. Und das nicht nur in Osnabrück. Etliche Schulen bundesweit sind nach ihm benannt, nicht wenige davon wie das Osnabrücker Gymnasium erst in den 50er-Jahren, in einer Zeit also, als der Kalte Krieg die Politik beherrschte und das geteilte Deutschland ein neues Selbstbewusstsein suchte, das es offensichtlich vielerorts in der Figur Ernst Moritz Arndts zu finden glaubte. Und überall wird der Name diskutiert. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Remscheid zum Beispiel ist mit dem Wunsch einer Namensänderung gescheitert. Der Stadtrat lehnte die Änderung in „Städtisches Richard-von-Weizsäcker-Gymnasium“ im November 2005 ab.

Nun ploppt die Diskussion um den Namen Ernst-Moritz-Arndt in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Entsprechend gelassen reagiert denn auch Schulleiter Hartmut Bruns. „Sicher ist, dass die Schule den Namen heute nicht mehr bekommen würde“, stellt er fest. Sicher sei aber auch, dass sich die Schulgemeinschaft mit der Person Arndt immer wieder auseinandersetze. „Unstrittig ist, dass er nationalistisch, franzosenfeindlich und antisemitisch argumentiert hat. Diese historischen Fakten sind auch uns am EMA bekannt und werden so im Geschichtsunterricht vermittelt“, heißt es auf der Homepage der Schule in einer Stellungnahme zu der nun wieder auflebenden Diskussion.

„Man kann einen Namen aber auch nicht wechseln, wie die Unterwäsche“, so Bruns. Der Schulvorstand habe noch im vergangenen November über das Thema diskutiert. Ausgangspunkt sei die Bitte eines ehemaligen Schülers gewesen, die Namensdiskussion innerhalb der Schule aufzugreifen. „Der Vorstand hat einstimmig beschlossen, diese Diskussion nicht zu führen und den Namen beizubehalten“, sagt Bruns.

Für Bruns ist eindeutig, dass sich die Schüler nicht über den Namen identifizieren, sondern vielmehr über das, was an der Schule geleistet werde. Und da steht für den EMA-Chef ganz klar das Thema Integration an vorderster Stelle. Mit einer Schülerschaft, die ihre Wurzeln in 54 Nationen hat, leiste das EMA wertvolle Integrationsarbeit. „Für unsere Schüler ist Arndt kein Vorbild“, sagt Bruns. Der Geist des EMA sei ein ganz anderer als der, den Arndt verkörpert habe.

Historischer Kontext

Den Vergleich mit der Uni Greifswald mag Bruns so nicht gelten lassen. Dort sei die Diskussion von innen heraus erwachsen und nicht von außen an die Hochschule herangetragen worden. „Sollte sich bei uns aus der Schüler- oder Lehrerschaft eine interne Diskussion über den Namen der Schule ergeben, so ist das auch für uns dann etwas ganz anderes“, so Bruns.

Bis dahin aber wird die Erklärung der Schule zu Ernst Moritz Arndt gelten, in der es unter anderem heißt: „Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium betrachtet die Namensgebung im Jahr 1957 im historischen Kontext der deutschen Teilung und sieht darin den Wunsch nach Überwindung dieser Teilung. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium gibt seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Namensgebung nicht durch eine Umbenennung ungeschehen gemacht werden kann, sondern dass auch dieser Aspekt der Schulgeschichte einer kritischen Betrachtung bedarf.“