Der Verdacht hat sich bestätigt: Nach Mitteilung der Polizei sind die drei zerstörten Hähnchenmastställe in Klein Fullen bei Meppen das Ergebnis von Brandstiftung. Befürworter wie Gegner der Massentierhaltung sind entsetzt. Doch Klein Fullen ist kein Einzelfall.
Wie die Ermittler gestern erklärten, sei die Brandruine am Montag mit drei speziell ausgebildeten Spürhunden abgesucht worden. Das Ergebnis: „Die Hunde haben in allen drei Hähnchenställen Brandbeschleuniger angezeigt“, schreibt die Polizei. Brandexperten des Landeskriminalamtes und externe Gutachter hätten dann gestern bei einer Tatortbegehung festgestellt, dass nur eine „vorsätzliche Brandstiftung durch unbekannte Täter als Ursache des Feuers infrage kommt“.
Noch hat die Polizei nach eigener Aussage keine Spur, wer den Brand in der Nacht zum Donnerstag gelegt haben könnte. „Deshalb gehen unsere Ermittlungen in alle Richtungen“, so Sprecher Achim van Remmerden. Beim Landeskriminalamt würden jetzt Schutt und Spuren des Brandbeschleunigers auf Hinweise untersucht. Das Feuer hatte drei Ställe zerstört, die zu diesem Zeitpunkt leer waren. Schadenssumme laut Polizei: über eine Million Euro.
Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) reagierte empört auf die Nachricht der vorsätzlichen Brandstiftung: „Es ist für mich völlig inakzeptabel, dass unsere Landwirte mittlerweile Angst um ihr Hab und Gut haben müssen“, sagte der Politiker unserer Zeitung. Die Brandstifter von Klein Fullen seien Kriminelle, die zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Lindemann: „Ich erwarte eine konsequente Aufklärung durch die Ermittlungsbehörden.“
Auch der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen verurteilte die Anschläge in der Nähe von Meppen. Landesvorsitzender Holger Buschmann: „Das ist keine vernünftige Art des Protestes, das geht gar nicht.“ Für ihn sei die Brandstiftung aber auch ein Beleg für die schrumpfende Akzeptanz der Massentierhaltung in der Bevölkerung: „Je geringer der Rückhalt, desto größer die Gefahr, dass so etwas passiert.“
Immer wieder sind Mastställe in den vergangenen Monaten in Flammen aufgegangen. Wie bei zwei Fällen aus Ostniedersachsen im Winter 2011 gehen die Ermittler auch hier häufig von Brandstiftung aus. Der überwiegende Teil des Protests verläuft friedlich, hat aber in der Vergangenheit stark zugenommen. Das gilt besonders für das Emsland: Mit 33 Millionen Mastplätzen und elf Millionen Beantragungen ist das Emsland die Hühnerhochburg Deutschlands .
Nach Informationen unserer Zeitung gehörten die drei abgebrannten Ställe von Klein Fullen zu einer Landwirte-Gemeinschaft. Deren Abnehmer ist die Rothkötter-Gruppe mit Sitz in Haren. Das emsländische Unternehmen hatte in jüngster Vergangenheit mit erheblichen Proteststürmen gegen einen Mega-Schlachthof in Wietze, Landkreis Celle, zu kämpfen.
Der Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft Wilhelm Hoffrogge hatte den Brandanschlag bereits vergangene Woche als „kriminellen und feigen Akt“ verurteilt, der mit einer legitimen gesellschaftlichen Auseinandersetzung nichts zu tun habe. Unrechtsbewusstsein zeigen nicht alle Maststallgegner mit Blick auf die Brandstiftung. Im Internet schreibt ein Kommentator: „Ich meine, da wurden Tausende Leben gerettet.“