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Münster ist eben Fahrradstadt Radfahren in Osnabrück fühlt sich gefährlicher an!

Eine Kolumne von Eva Voß | 18.12.2015, 21:00 Uhr

Die Unfallzahlen zeigen, dass das Radfahren in Osnabrück nicht wirklich gefährlicher ist, als in Münster. Gefühlt ist der Unterschied aber riesig.

Wir haben uns die Frage gestellt, ob der Verkehr in Osnabrück wirklich gefährlich ist, als in Münster. Ergebnis: In absoluten Zahlen gibt es Münster deutlich mehr Unfälle, heruntergerechnet auf die Einwohnerzahl, gibt es in Osnabrück etwas mehr Unfälle. Es scheint also, als wäre das Radfahren in Osnabrück nur geringfügig bis gar nicht gefährlicher. Gefühlt sieht es meiner Meinung nach allerdings ganz anders aus.

Verkehr in Münster

Warum ich mir ein Urteil erlaube? Ich lebe in Osnabrück und habe vier Jahre in Münster gewohnt. Ich bin in beiden Städten immer wieder mit dem Rad oder dem Auto unterwegs (gewesen). Es stimmt, dass die Fahrradfahrer in Münster sehr selbstbewusst sind – es ist eben eine Fahrradstadt. Sie halten sich auch nicht immer an Verkehrsregeln – aber von Kampfradlern sind die allermeisten weit entfernt. In vier Jahren hatte ich, und das war offenbar ein großes Glück, wenn man sich die Unfallzahlen ansieht, keine einzige brenzlige als Verkehrsteilnehmerin; weder als Radfahrerin mit Autos noch umgekehrt. Nur einmal bin ich als Radfahrerin gefallen, weil ein Fußgänger urplötzlich auf den Radweg getreten ist und ich schlagartig bremsen musste. Es ist aber niemandem etwas passiert. Ich habe mich in Münster sowohl auf dem Rad als auch mit dem Auto sicher gefühlt. Die Autofahrer in Münster achten auf die Radfahrer – sie gehören dazu – und als Autofahrer rechnet man immer damit, dass plötzlich ein Radler um die Ecke kommt. (Weiterlesen: Wieder Fahrradunfall an der Osnabrücker Todeskreuzung) 

Verkehr in Osnabrück

In Osnabrück ist das anders. Ich wohne seit drei Jahren hier und fahre in der Regel mit dem Rad zur Arbeit, hin und wieder bin ich auch mit dem Auto in der Stadt unterwegs. Zu meinem letzten Geburtstag habe ich mir einen Fahrradhelm gewünscht, weil ich mich unsicher fühle. Den Neumarkt meide ich, wenn ich irgendwie kann. Es ist einfach viel zu gefährlich zwischen den Bussen, deren Fahrer oft ebenfalls keine Rücksicht auf Radfahrer nehmen. Dass ich in drei Jahren drei wirklich brenzlige und viele unschöne Situationen mit Autofahrern hatte, mag Zufall sein, trotzdem macht mir vor allem die Reaktion der Autofahrer Angst. Denn ich hatte an keiner Situation schuld und bin dennoch von Autofahrern beschimpft worden. Einmal hat ein Autofahrer einfach die Tür aufgerissen und ich wäre um ein Haar direkt hineingefahren. Statt sich nach mir zu erkundigen, hat der Fahrer erst geguckt, ob sein Auto einen Kratzer hat.

Es kann jedem passieren, dass er einen Fehler macht, etwa einen anderen Verkehrsteilnehmer übersieht– auch Radfahrern. Was ich aber nicht für möglich gehalten hätte, ist die Arroganz mancher Autofahrer.

Meiner Ansicht nach ist der große Unterschied zwischen Münster und Osnabrück, was den Verkehr betrifft, dass die Radfahrer als Teil des Straßenverkehrs gesehen werden und in Osnabrück als Störfaktor für die Autofahrer.

Radfahrer sind nicht unschuldig

Ich möchte auf keinen Fall sagen, dass Radfahrer immer unschuldig und Autofahrer immer rücksichtlos sind. Das stimmt nicht. Es gibt genug Radfahrer, die sich total daneben benehmen. Auch das sehe ich jeden Tag. Einige fahren ohne Licht, andere bei Rot über die Ampel oder auf Bürgersteigen. Der Unterschied ist allerdings, dass Radfahrer die schwächeren Verkehrsteilnehmer sind, und die stärkeren (in dem Fall die Autofahrer) auf sie Rücksicht nehmen sollten. Genauso wie Radfahrer natürlich auf Fußgänger achten müssen und in Fußgängerzonen oder auf Bürgersteigen nichts zu suchen haben.

Schlussendlich kommen wir nur zu einer befriedigenden Situation für alle Seiten, wenn jeder ein wenig mehr Rücksicht nehmen würde. Dazu gehört auch, dass Autofahrer die Radfahrer als gleichberechtigten Teil des Straßenverkehrs ansehen. Schließlich will Osnabrück doch auch eine Fahrradstadt sein.