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Der Doc praktiziert wieder Moralez geben Comeback-Konzert in der Töpferei Niehenke

Von Thomas Wübker | 20.08.2019, 13:36 Uhr

Frank Eilermann ist ein Original. Und bald ist er auch wieder Doc Moralez. Unter diesem Pseudonym ist er als Sänger in Osnabrück und darüber hinaus bekannt geworden. Am Samstag, 24. August, feiern er und seine Band Moralez ein Comeback nach vierjähriger Pause in der Töpferei Niehenke in Hasbergen – da, wo alles begann.

Der musikalische Werdegang von Frank Eilermann begann als singender Kellner. In der Zwiebel in der Osnabrücker Altstadt hat er Anfang der Neunzigerjahre gearbeitet und bei Live-Bands ausgeholfen, wenn sich mal die Gelegenheit ergab. Als der Gitarrist Willy Knigge und der Bassist Bernd Niehenke einen Sänger für ein neues Projekt suchten, erinnerten sie sich an den singenden Kellner.

1993 wurde die Band J. M. Moralez gegründet. Die Buchstaben standen damals für Jesus Maria. Von Anfang an spielten die Musiker Rock’n’Roll, der von der Tex-Mex-Bewegung im Westen und im Süden der USA beeinflusst war. Und das kam an.

J. M. Moralez spielten zahlreiche Konzerte in der Altstadt, auf der Maiwoche, aber auch in anderen Gefilden. Eilermann erinnert sich an einen Auftritt auf dem Butterschiff „Etta von Dangast“. „Wir sollten an Deck spielen, haben aber festgestellt, dass es dort keine Steckdosen gab“, erzählt er. Also wurde kurzerhand ein Generator organisiert, der Strom lieferte und verbotenerweise auf dem Achterdeck aufgestellt wurde, wie sich der 52-Jährige erinnert. „Der Strom reichte aber nur für die Gitarrenverstärker. Ich habe über das Megafon des Kapitäns gesungen.“

Modewettkampf

Eilermann kann viele solcher Geschichten erzählen. Zum Beispiel die über sein Markenzeichen, seinen Leopardenanzug. Den habe er sich anfertigen lassen, nachdem Knigge mit einem dunkelblauen Anzug mit Sonnenblumenmuster auftauchte. „Da musste ich mir überlegen, wie ich ihn ausstechen kann.“ Der aus 100 Prozent Polyester bestehende Anzug sei im Lauf der Jahre „mitgewachsen“, sagt der gut beleibte Eilermann süffisant.

Aus den Anfangstagen sind nur noch Frank Eilermann und der Leopardenanzug dabei. Das J. M. aus dem Bandnamen ist gewichen. Mittlerweile ist Eilermann auch seriös geworden, ist Verkaufsleiter in einem Großhandel für Sanitär- und Haustechnik und war politisch aktiv. Nach einer vierjährigen Pause ist er nun froh, bald wieder mit Moralez auf der Bühne stehen zu dürfen.

Fachkräftemangel an der Gitarre

Die unfreiwillige Auszeit sei entstanden, weil beide Gitarristen ausgestiegen seien, erzählt Eilermann. Die Suche nach Ersatz habe vier Jahre gedauert. „Der Fachkräftemangel macht auch vor Musikern nicht Halt“, sagt er und lässt wieder seinen süffisanten Humor aufblitzen. Mit Arnd Krüger von der Elvis-Coverband 68toVegas sei ein Gitarrist gefunden worden, der mehr als nur Ersatz ist, sagt Eilermann überzeugt.

Die Schaffenspause hat die Band genutzt, um ihr musikalisches Spektrum zu erweitern. Nicht nur der amerikanische Rock’n’Roll steht nun im Fokus, sondern auch der britische und der europäische. Stücke von Dave Edmunds oder Peter Krauss finden nun ihren Platz im Repertoire von Moralez, wo Little Richard oder Paul Kuhn immer schon präsent waren. „Ich hätte vor zehn Jahren nicht gedacht, dass wir ,Pretty Vacant‘ von den Sex Pistols spielen würden“, sagt der Frontmann, der den Punk-Klassiker mit Cowboy-Hut vortragen wird. Diese Stilbrüche gehören von Anfang an auch in musikalischer Hinsicht dazu. „Wir haben die Originale immer derart verfremdet, dass sie sich wie eigene Stücke angefühlt haben.“ So wurde aus dem schläfrigen „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel bei Moralez eine schmissige Rock’n’Roll-Nummer.

„Manchmal muss man zu einer gewissen Reife kommen, um zu erkennen, was gut ist“, sagt Eilermann. Diese Weisheit spricht er gelassen aus, denn er weiß: Am Samstag ist er wieder der Rock’n’Roll-Leopard.

Der Auftritt von Doc Moralez in der Töpferei Niehenke beginnt am Samstag, 24. August um 20 Uhr. Eintritt: 18 Euro. Kartentelefon: 05405 3313.