Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Möwe und Jobcenter in einem Boot Projekt Bürgerarbeit in Osnabrück: Mit Selbstvertrauen aus der Arbeitslosigkeit

Von Beatrice Henke | 04.09.2011, 16:14 Uhr

Arbeitslosen wieder Selbstbewusstsein geben und sie erneut in den Arbeitsmarkt integrieren, das ist das Ziel des Projekts Bürgerarbeit. Es ist im Frühjahr 2010 von der Bundesregierung ausgeschrieben worden. Acht Arbeitsplätze bietet die Möwe gGmbH in Osnabrück in diesem Rahmen an.

Michael Dörenkämper arbeitet seit Anfang Juli im Bereich der Verwertung von Altmaterialien bei der Möwe. „Zunächst haben wir nur Dinge sortiert, inzwischen können wir uns selber ausdenken, was wir Neues aus den Materialien schaffen wollen“, berichtet der 52-Jährige. Und so werden aus alten Stühlen, schwarzer und weißer Farbe neu aufgearbeitete Stühle mit Kuhfleckenmuster. „Die gingen weg wie warme Semmeln“, sagt Michael Dörenkämper stolz.

Dass es wichtig sei, die Teilnehmer durch ihre Arbeit zu motivieren, stellt Thomas Schulke, Betriebsleiter der Möwe, in den Vordergrund. Aus vermeintlichem Müll werden in der Einrichtung neue Produkte hergestellt. „Die Arbeit stärkt die Menschen in ihrem Selbstbewusstsein. Bei einigen ist dies nach 150 vergeblichen Bewerbungen einfach notwendig“, berichtet Marita Klenke, Koordinatorin der Bür-gerarbeit vom Jobcenter Osnabrück, eins von 20 in Niedersachsen, die sich an dem bundesweiten Projekt beteiligen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat das mehrstufige Projekt geschaffen, um arbeitslose Menschen, die Arbeitslosen-geld II beziehen, wieder in den Arbeitsmarkt zu führen. In der ersten sogenannten Aktvierungsphase von sechs Monaten findet eine intensive Betreuung durch Jobcoachs statt, die mit den Teilnehmern ihre Stärken und Schwächen herausarbeiten und ihnen bei der Jobvorbereitung helfen. Wer trotz individueller Qualifizierungs- und Aktivierungsangebote nicht vermittelt wurde, kommt in die zweite Phase. Die Teilnehmer bekommen einen Bürgerarbeitsplatz mit 20 oder 30 Stunden pro Woche und erhalten 600 Euro bzw. 900 Euro im Monat, wobei es den Einrichtungen, für die sie tätig sind, freisteht, den Lohn zu erhöhen. Es handelt sich dabei, abgesehen von der Arbeitslosenversicherung, um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Bundesweit soll es 34000 dieser Arbeitsplätze geben. Die finanziellen Mittel stammen jeweils zur Hälfte vom Bundesministerium für Arbeit und aus dem Europäischen Sozialfonds. Das Projekt ist zunächst bis Ende 2014 geplant.

Das Jobcenter wählt laufend neue überwiegend Langzeitarbeitslose für das Projekt aus. „Menschen mit Schwierigkeiten soll eine Chance gegeben werden“, erklärt Marita Klenke. Gemeint sind Menschen mit Suchtproblemen, schwierigen familiären Hintergründen, solche, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, oder Mütter, die aufgrund der Kinderbetreuung flexible Arbeitszeiten benötigen. Alexander Schmidt ist ein solcher Teilnehmer. Der ehemalige Stuckateur kann seinem Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen. Seit Anfang August arbeitet der 52-Jährige im Verkauf bei der Möwe: „Das Einarbeiten macht viel Spaß. Man lernt viele verschiedene Menschen kennen, wenn man im Kundenbereich tätig ist.“

Die Bürgerarbeitsplätze sind begrenzt auf drei Jahre. Sie müssen im öffentlichen Interesse liegen und wettbewerbsneutral sein. „Wir wollen bei der Möwe nicht in den Wettbewerb mit der freien Wirtschaft treten. Unser Ziel ist es, die Menschen schnell zu vermitteln“, sagt Betriebsleiter Thomas Schulke. Michael Klesse, Geschäftsführer des Jobcenters Osnabrück, freut sich über solch starke Partner wie die Möwe. Insgesamt etwa 25 Prozent der Teilnehmer konnten bisher in der ersten Aktivierungsphase vermittelt werden, damit kann das Jobcenter in Osnabrück derzeit in Niedersachsen die beste Integrationszahl vorweisen.