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Mobiles Schülerlabor GreenLab_OS Uni Osnabrück macht den Chemieunterricht spannend

Von Nancy Knäuper | 01.11.2016, 08:30 Uhr

Freies Experimentieren ohne Zeitdruck, aber dafür mit viel Bezug zum täglichen Leben: Mit ihrem neuen, mobilen Schülerlabor „GreenLab_OS“ macht die Universität Osnabrück den Chemieunterricht spannend.

Seit September tingeln Chemiedidaktiker Prof. Dr. Marco Beeken und sein Doktorand Michael Budke mit dem GreenLab_OS durch die Schulen der Region und bieten den Klassen „Chemieunterricht mit Eventcharakter“ an. „Wurst – traditionell oder vegetarisch?!“ lautet das Thema der ersten Unterrichtseinheit. Dabei beschäftigen sich die Schüler einen ganzen Schultag lang damit, was genau in der Wurst steckt und ob fleischlose Wurst wirklich eine gesunde und umweltbewusste Alternative ist.

Erst fernsehen, dann experimentieren

Eine der Klassen, die bislang mit dem mobilen Schülerlabor hantieren durften, war die 8F1 des Gymnasiums Oesede. Nach einem kurzen Film zum Einstieg konnten sich die Schüler in einer dreistündigen Experimentierphase ausführlich mit den Eigenschaften von Wurst befassen. Die einzelnen Stationen beschäftigten sich mit Wurst als Brennstoff, der Bestimmung ihres Wassergehalts, der Fettextraktion und einem Anthocyane-Nachweis, bei dem die vegetarische Wurst nach Kontakt mit Natronlauge oder Salzsäure die Farbe wechselte.

Alle Arbeitsunterlagen, Werkzeuge und Laborgeräte werden im GreenLab_OS von der Uni Osnabrück gestellt. Außerdem sind studentische Hilfskräfte und Lehramtsstudenten dabei. GreenLab_OS kommt nicht nur zu den Schulen, sondern bietet  Unterricht auch auf dem Gelände der Universität Osnabrück an.

Umweltbewusstsein schärfen

„Mit dem GreenLab_OS wollten wir ein experimentelles Angebot für Schulen und einen außerschulischen Lernort schaffen, in dessen Rahmen sich Schüler der Sekundarstufe I mit Themen der Nachhaltigkeit beschäftigen können“, sagt Beeken. Studien zeigten, dass das Umweltbewusstsein von Schülern in den vergangenen 15 Jahren abgenommen habe. Das mobile Schülerlabor soll helfen, es wieder zu schärfen.  

Verschiedene Themen aus dem Alltag werden dabei experimentell erforscht und schaffen so die Basis für eine kritische Auseinandersetzung. Außer um die Wurst geht es in den Unterrichtseinheiten beispielsweise auch um „Mikroplastik im Meerwasser“ und „Mobilität“. Ein weiterer Themenblock trägt den Titel „CSI: Umweltverbrechen“. Bei den Schülern der 8F1 des Gymnasiums Oesede kam der etwas andere Chemieunterricht gut an. „Wir können selbst herausfinden, welche Inhaltsstoffe in der Wurst stecken, und das Experimentieren macht Spaß“, fand etwa Lucy Fellhölter. 

Von der Industrie gefördert

Das mobile Schülerlabor GreenLab_OS ist aber nicht nur ein außerschulisches Lernangebot für die Region Osnabrück, sondern auch Teil eines Forschungsprojekts der Universität. Die Ergebnisse verwendet Doktorand Michael Budke in seiner Dissertation. „Es werden verschiedene Hypothesen überprüft: Zum Beispiel ob der Ort der Unterrichtseinheit, Chemielabor der Schule oder Universität, Einfluss auf den Lerneffekt hat.“

Das GreenLab_OS wird vom Fonds der Chemischen Industrie mit 15.000 Euro gefördert, dessen Gutachter vor allem die hohe Alltagsrelevanz der Themen und den Eventcharakter des Konzepts gelobt haben. GreenLab_OS ist eins von insgesamt vier Veranstaltungsformaten des Forschungskonzepts „Chem_OS“, welches Marco Beeken initiiert hat. Bereits im Juni begeisterte das Format „PubScience – Die lange Nacht der Experimente“ ein breites Publikum in der Osnabrücker Innenstadt. 2015 ließ der Professor es bei der ersten Weihnachtsvorlesung der Universität Osnabrück krachen.