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Mit Witz, Charme und Top-Stars Reife Leistung um Alt-68er: Die Tragikomödie „Und wenn wir alle zusammen ziehen?“

Von Tobias Sunderdiek | 05.04.2012, 13:13 Uhr

„Haben Sie denn nicht irgendetwas Fröhlicheres?“ Die Frage, die die ehemalige Philosophie-Dozentin Jeanne (Jane Fonda, Jahrgang 1937) einem Sarghersteller (Gustave Kevern) stellt, mag zunächst befremdlich wirken. Der Verkäufer windet sich, erzählt etwas von traditionellen Wünschen der Kunden, den möglichen helleren Farben. Es wird nicht die einzige Ungewöhnlichkeit bleiben im Bezug auf das Älterwerden, die hier zur Sprache kommt. Aber auch das wird klar: Der Tod ist allgegenwärtig in diesem Film. Grund genug, gerade das Leben zu feiern, trotz seiner Widrigkeiten und Begrenzungen.

Die Frage nach dem Sarg ist dabei durchaus vorausschauend. Denn Jeanne ist tödlich erkrankt. Eine Tatsache, die sie jedoch nicht nur vor ihrem leicht dementen Ehemann Albert (Pierre Richard, Jahrgang 1934), sondern auch vor ihren Freunden verschweigt: dem nur an Sex mit Prostituierten denkenden Claude (Claude Rich, geboren 1929) und dem befreundeten Ehepaar Annie (Geraldine Chaplin, Jahrgang 1944) und Jean (Guy Bedos, Jahrgang 1934). Jeannes Idee angesichts ihres Befundes: Damit ihr Mann nicht allein zurückbleibt, will sie eine WG gründen.

Eine weitere Initialzündung für diesen Schritt bietet die Befreiungsaktion, mit der die Freunde Claude aus dem Altersheim zu sich holen. Überlaufende Badewannen, alte Liebesbriefe, ein überdimensionierter Swimmingpool im Gemüsegarten – das Zusammenleben der fünf Freunde in einem Vorort von Paris bleibt, wie in WGs üblich, nicht ohne Konflikte. Was dem angehenden deutschen Ethnologen und Mitbewohner Dirk (Daniel Brühl, 33 Jahre jung) viel Material für seine Dissertation über die „Überalterung in Europa“ liefert.

„Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ – nicht nur, was die wohl unumgänglichen Witze über Viagra-Pillen angeht, auch sonst zeigt der Film deutlich: Ein gesunder Geist kann auch in einem älteren, schon etwas schwächelnden Körper wohnen. Wobei Regisseur Stéphane Robelin für seine charmante Tragikomödie auf ein hervorragendes Schauspielerensemble zurückgreifen kann – auf Altstars im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre jahrzehntelange Erfahrung macht den Film auch schauspielerisch zu einem Vergnügen.

Ob Krankheit, Tod oder Sex im Alter: Die Themen, die sich das klug pointierte Drehbuch setzt, mögen zwar immer noch oft Tabus sein, werden aber im lockeren Ton behandelt. Dies jedoch mit dem passenden Respekt. Und dass sich der Film letztlich nicht in ein billiges Happy End flüchtet, sondern wohl so manch heimlich vergossene Träne hervorrufen dürfte, gehört zu den bewundernswerten Stärken des Films. Eine „reife Leistung“.

„Und wenn wir alle zusammenziehen?“. F/D 2011. R.: Stéphane Robelin. D.: Guy Bedos, Daniel Brühl, Geraldine Chaplin, Jane Fonda, Claude Rich, Pierre Richard. 96 Min. FSK ab 6.