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Mit Titandioxid beschichtet Gegen schlechte Luft: Neuer Anstrich für Lärmschutzwände auf der A1 bei Osnabrück

Von Stephanie Langer | 28.10.2011, 14:53 Uhr

Lärmschutzwände an Autobahnen sollen die Verkehrsgeräusche für die Anwohner in erträglichem Rahmen halten. Auf der A1 nördlich von Osnabrück könnten sie auch dafür sorgen, dass es weniger Schadstoffe in der Luft geben wird.

Denn auf einem Teilstück von einem Kilometer Länge hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in den vergangenen Wochen eine Titandioxid-Beschichtung aufsprühen lassen. Die Emulsion soll schädliche Stickoxide aus der Luft saugen. Ob das auch funktioniert, das will die BASt in den nächsten zwei Jahren in einem Pilotprojekt herausfinden.

Insgesamt wurde das Titandioxid auf rund 30000 Quadratmetern der Betonwände aufgesprüht. Neben dem präparierten Autobahn-Teilstück umfasst das Untersuchungsgebiet einen weiteren Kilometer, auf dem die vier Jahre alten Lärmschutzwände nicht behandelt wurden. Zwei Messcontainer am Rand der Fahrbahn beinhalten spezielle Geräte, die den Gehalt der Luft an Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Ozon feststellen.

Die Daten wandern zur BASt in Bergisch-Gladbach und werden dort von Experten ausgewertet. „Da wir auch eine Strecke ohne Titandioxid-Beschichtung untersuchen, können wir genaue Vergleiche anstellen“, erklärt Projektleiterin Anja Baum von der BASt. Neben den elektronischen Messgeräten stehen in regelmäßigen Abständen auch sogenannte „Passivsammler“ am Fahrbahnrand. In kleinen Röhrchen werden hier im Zwei-Wochen-Rhythmus Luftproben entnommen und die Stickstoffdioxid-Konzentration festgestellt. Diese Passivsammler stehen allerdings nicht nur an der Autobahn. Auch im Hinterland wurden die Rohre aufgestellt. „Wir sehen daran, dass die Luft im Umland deutlich besser ist“, erklärt Baum. „Die Lärmschutzwände dienen also schon jetzt als Barriere für die Schadstoffe, egal welche Beschichtung sie haben.“

Doch warum macht man den Versuch ausgerechnet im Norden von Osnabrück? „Wir haben mehrere Jahre nach einem geeigneten Standort gesucht“, sagt Baum. „Wichtig war uns ein hohes Schwerverkehrsaufkommen, und das ist auf der A1 bei Osnabrück mit einem Anteil von 23 Prozent gegeben.“ Auf beiden Seiten musste eine Lärmschutzwand angebracht sein, die auf mindestens zwei Kilometern nicht durch eine Abfahrt unterbrochen wird. Außerdem muss das entsprechende Bundesland einwilligen. Denn die Autobahnen gehören zwar dem Bund, die Auftragsverwaltung liegt aber bei den Ländern. Niedersachsen stimmte dem Projekt sofort zu.

Mit ersten aussagekräftigen Ergebnissen rechnen die Experten allerdings erst in ein bis zwei Jahren. „In diesem Umfang ist die Titandioxid-Beschichtung noch nie getestet worden, das ist deutschlandweit der erste Versuch“, betont Bertil Surkus, Geograf bei der BASt. Die Partikel der neuen Beschichtung brauchen eine gewisse Zeit, bis sie richtig in Gang kommen und reagieren. „Wenn wir nach zwei Jahren immer noch keine vernünftigen Ergebnisse haben, hängen wir noch ein drittes Jahr dran“, sagt Surkus.

Eine Million Euro kosten allein Beschichtung und Messgeräte. Das Geld kommt vom Bund. „Den Rest zahlen wir mit unseren Forschungsmitteln, aber wie teuer das wird, wissen wir noch nicht“, erklärt Geophysikerin Baum. Ein zweites Projekt läuft übrigens gerade in Hamburg an. Dort trägt man die Titandioxid-Beschichtung kurzerhand direkt auf die Straße auf.