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Mit Schnuller die Welt entdecken Erste Osnabrücker Kinderkrippe feiert 25-jähriges Jubiläum

Von Ulrike Schmidt | 20.09.2011, 16:53 Uhr

Für Osnabrück war es Neuland und wurde heiß diskutiert: Vor 25 Jahren öffnete die erste Osnabrücker Kinderkrippe an der Paul-Oeser-Straße in Trägerschaft der evangelischen Kirche ihre Pforten. „Der Bedarf war damals schon da“, sagt die erste Leiterin Renate Saft-Deppe.

„Rabenmütter“ wurden dabei damals noch oft die Mütter genannt, die ihr Kind wenige Wochen oder Monate nach der Geburt zur Betreuung abgaben. Das hat sich geändert, und mit dem Tagesbetreuungsausbau sollen ab 2013 auch Kleinstkinder Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Der Ausbau läuft, auch die evangelische Krippe wird zum Dezember eine Außenstelle mit zwei Gruppen an der Turmstraße neu eröffnen.

Daran war bei der Eröffnung am 1. Oktober 1986 nicht zu denken. Von der Einrichtung bis zur Pädagogik war alles neu für die Stadt. Dazu kam ein großes öffentliches Interesse aus den verschiedensten Bereichen. „Wir standen unter weitaus mehr Druck als die anderen Einrichtungen“, erinnert sich Renate Saft-Deppe. Und sie erinnert sich an Paulchen, der auf einer hölzernen Empore im Spielzimmer das geschafft hatte, was angeblich unmöglich war: Er hatte seinen Kopf durch eines der Holzlöcher gesteckt und kam nicht wieder zurück. Mithilfe seines damals noch anwesenden „sehr ruhigen und gelassenen“ Vaters wurde Klein Paul befreit, und Saft-Deppe sicherte die Luke mit einem Fischernetz vor weiteren neugierigen Köpfchen.

Aus den anfänglich zwölf Plätzen wurden vier Jahre später 20. Aufgenommen werden Kinder ab acht Wochen. Die Jüngsten waren – mit Ausnahmegenehmigungen – zwei und vier Wochen alt. Bei einem der Kleinchen war die Aufnahme erst vorübergehend, damit die Mutter die Abiturklausuren schreiben konnte.

Um die zwei Gruppen Pünktchen (zwölf Plätze) und Kleckse (acht Plätze) kümmern sich derzeit zehn pädagogische Fachkräfte auf Voll- und Teilzeitstellen. Eine Köchin sorgt dafür, dass die kleinen Gäste täglich ein frisch zubereitetes Essen bekommen. Den Pünktchen und den Klecksen stehen je ein Gruppen- und ein kombinierter Schlaf-Wickelraum zur Verfügung. Alle teilen sich das Fantasiezimmer und den Wahrnehmungsraum zum Kuscheln und Toben. Eine große Terrasse dient als Spielplatz. Schon aus den Anfangstagen stammt ein Bollerwagen, in dem die Kleinen Ausflüge in die Stadt machen.

Seit 17 Jahren leitet Sabine Busmann die Krippe. 140 Kinder hat sie auf der Warteliste. „Das sind natürlich auch viele Kinder dabei, die zugleich bei anderen Einrichtungen angemeldet sind“, sagt Busmann. Gleichwohl zeige die Warteliste, dass der Bedarf an Krippenplätzen noch immer das Angebot weit überschreite.

Den Krippenmitarbeiterinnen werden die Kleinsten anvertraut. Das bedeute eine große Verantwortung, betont Sabine Busmann. Bei den Informationsnachmittagen jeden ersten Dienstag im Monat können Eltern die Einrichtung und die Mitarbeiterinnen kennenlernen. Ziel ihres Teams sei es, dass „sich Kinder und Eltern in der Krippe geborgen fühlen und die Kinder Raum und Zeit haben, die Welt zu entdecken“.

Das 25-jährige Jubiläum wird am Samstag, 1. Oktober, um 10.30 Uhr mit einem Festakt im Haus der Kirche und einem anschließenden Tag der offenen Tür in der Paul-Oeser-Straße 3 gefeiert. Sabine Busmann hofft, dass möglichst viele Ehemalige dabei sind. Eines von etwa 170 früheren Krippenkindern hat mit Bedauern abgesagt: Es macht zurzeit ein „Work-and-travel-Jahr“ in Neuseeland.

Anmeldungen sind erbeten unter kinderkrippe.osnabrueck@evlka.de.